Schaffen Zölle ab: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese in Canberra. © LUKAS COCH, epa
Brüssel/München – Bayern ist stark in Export und hat starke Industriebetriebe – in beiderlei Hinsicht könnte die heimische Wirtschaft von dem Handelsabkommen profitieren, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese gestern unterzeichnet haben.
„Ein Meilenstein und wichtiger Durchbruch“, kommentierte der Chef des Bayerischen Industrie- und Handeskammertages, Manfred Gößl. Er betonte besonders das Exportpotenzial für die bayerische Wirtschaft auf dem dynamischen australischen Markt. Wichtig für die bayerischen Betriebe sei auch der Zugang zu wichtigen Rohstoffen. Bei 23 der 37 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe kann Australien nach Einschätzung der Kammern eine Schlüsselrolle spielen. Laut Gößl geht es darum, modifizierte Lieferketten in den Zukunftsbereichen Batterien, Digitalisierung und Sicherheit aufzubauen. Vor allem bei Nickel, Kobalt, Lithium und anderen Seltenen Erden könnte Australien neben China zum Hauptlieferanten werden.
Zwar sei das Abkommen gemessen am Handelsvolumen weniger bedeutsam als das Mercosur-Abkommen, für die Versorgung mit Rohstoffen sei es aber von überragender Bedeutung. Außerdem sei es ein gutes Zeichen, dass die EU doch in der Lage sei, ein solches Handelsabkommen unter Dach und Fach zu bringen.
Bislang erzielt Bayern in den Wirtschaftsbeziehungen einen Handelsüberschuss mit Australien: Zuletzt gingen Waren im Wert von 1,6 Milliarden Euro aus Bayern nach Australien, darunter vor allem Kraftfahrzeuge, Maschinen und elektrische Ausrüstungen (2025). Im Gegenzug importierten bayerische Unternehmen Waren im Wert von 180 Millionen Euro, darunter ohne klare Spitzenreiter chemische Erzeugnisse und Elektronik.
„Wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass Freundschaft und Zusammenarbeit in Zeiten der Turbulenzen am wichtigsten sind“, sagte von der Leyen nach der Unterzeichnung. „Die EU und Australien mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, aber in unserer Sicht auf die Welt könnten wir einander nicht näher sein.“
Das Handelsabkommen schafft Zölle auf beiden Seiten ab und vereinfacht den Handel mit Dienstleistungen sowie gegenseitige Investitionen. Die EU rechnet damit, dass ihre Exporte nach Australien innerhalb eines Jahrzehnts um ein Drittel wachsen. Insbesondere die Milch- und die Autoindustrie erwarten ein kräftiges Wachstum von rund 50 Prozent. Australien erhofft sich einen größeren Absatzmarkt für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Obst und Gemüse.
Brüssel und Canberra einigten sich zudem auf einen besseren Zugang der EU zu Rohstoffen aus Australien, darunter Aluminium, Lithium und Mangan. Australien sagt in dem Abkommen zu, die Zölle auf Rohmaterialien zu senken und keine Exportzölle und -beschränkungen einzuführen. Australische Lieferanten würden für europäische Firmen dadurch berechenbarer und verlässlicher, teilte die Kommission mit.
Die EU will unabhängiger von China werden, das derzeit den Großteil des europäischen Bedarfs vieler Rohstoffe deckt und zahlreiche Patente für die Verarbeitung hält. „Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sein, und genau deshalb brauchen wir einander“, sagte von der Leyen vor dem australischen Parlament.
Australische Unternehmen hoffen auf Exportgewinne im Handel mit der EU – sowohl bei Rohstoffen als auch in der Landwirtschaft und mit Dienstleistungen. „Dies ist ein bedeutender Moment für unsere Nation, da wir ein Abkommen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sichern“, sagte Premierminister Albanese.COM, DPA