München – Die Krise des Münchner Agrarkonzerns Baywa trifft die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken stärker als gedacht. Wie der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Stefan Müller, gestern auf der Jahrespressekonferenz in München sagte, müssten die Banken weitere „Anpassungen“ in ihrer Bilanz vornehmen. „Was in diesem Jahr kommt, können wir momentan nicht beurteilen“, sagte Müller. Grund seien Risiken bei der Tochtergesellschaft Baywa re, deren genaue Höhe sich bisher nicht beziffern ließe.
Bislang hat die Baywa-Krise die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken rund 200 Millionen Euro gekostet, bestätigte Müller. Hinzu kämen 500 Millionen Euro, die die Genossenschaftsbanken im Freistaat als Anteilseigner gemeinsam mit den österreichischen Instituten zur Rettung der Baywa eingebracht hätten. Die bayerischen Institute sind über die Beteiligungsgesellschaft BRB Hauptaktionär der Baywa.
Müller betonte, dass die Baywa-Krise für die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken keine existenzielle Bedrohung darstellt. „Auch wenn die Lage bei der Baywa noch herausfordernder würde, würde dadurch alleine jedenfalls eine bayerische Volksbank oder Raiffeisenbank nicht in eine Schieflage geraten.“
Zumal die Banken gestärkt ins neue Jahr starten: Im vergangenen Jahr hatten die Genossenschaftsbanken im Freistaat ihr operatives Ergebnis um 7,1 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert und damit ein neues Allzeithoch erreicht, wie aus den gestern veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Das Ergebnis vor Steuern in Höhe von knapp über 1,8 Milliarden Euro lag demnach leicht über dem Vorjahresniveau von knapp unter 1,8 Milliarden Euro. Grund für das Wachstum war unter anderem ein Anstieg der Kreditvergabe in Höhe von 3,8 Prozent auf 147,7 Milliarden Euro. Unter anderem hatten die Wohnbaufinanzierungen von Privatkunden kräftig zugelegt.
Ungeachtet des Iran-Kriegs und der eingetrübten Konjunkturaussichten rechnen die Institute 2026 weiterhin mit guten Geschäften. „Wir erwarten bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern in diesem Jahr auch wieder ein sehr gutes Ergebnis, auch weiterhin steigende Erträge“, sagte Müller.SEBASTIAN HÖLZLE