Der teure Weg nach Asien

von Redaktion

Kerosinzuschläge verteuern Flugtickets. Rückwirkende Preiserhöhungen für bereits gebuchte Flüge sind aber nicht zulässig. © Armin Weigel, dpa

München/Frankfurt – Die stark gestiegenen Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten treiben die Kosten der Fluggesellschaften deutlich nach oben. Deshalb ist mit höheren Ticketpreisen zu rechnen. Airlines geben die Mehrkosten über Kerosinzuschläge an die Kunden weiter.

■ Kerosinzuschläge steigen

Nach Angaben des Branchenverbands International Air Transport Association lag der Kerosinpreis zuletzt zeitweise fast doppelt so hoch wie im Jahresdurchschnitt. Laut dem weltweiten Preisindex Platts von S&P Global Energy hat Kerosin vor Kriegsausbruch im Schnitt knapp 100 US-Dollar pro Barrel gekostet, mittlerweile sind es 175 Dollar. Darauf weist unter anderem das Verbraucherportal „Finanztip“ hin. Treibstoff gehört zu den größten Kostenblöcken der Fluggesellschaften, entsprechend groß ist der Druck, die steigenden Preise weiterzugeben.

Große europäische Fluggesellschaften reagieren bereits. Dabei taucht der Kerosinzuschlag nicht unbedingt als solcher in der Rechnung auf, die Zusatzgebühr heißt zum Beispiel bei der Lufthansa „international Surcharge“. Wie das Fachportal „Meilenoptimierer“ berichtet, haben sich die Kosten insbesondere für Amerika-Flüge erhöht. Dabei folgten die Aufschläge nicht unbedingt der Logik. Für den neun Stunden langen Direktflug von Frankfurt nach New York fielen zum Beispiel höhere Zusatzkosten an als für den Flug nach Buenos Aires, der fast fünf Stunden länger dauert.

Nachträgliche Kerosinzuschläge auf bereits gebuchte Flüge sind aber in der Regel unzulässig, erklären die Verbraucherschützer von „Finanztip“. Nachträgliche Preiserhöhungen sind überhaupt nur möglich, wenn diese klar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen begründet sind. Anpassungen sind nur erlaubt bei staatlichen Steuern, Flughafengebühren und sicherheitsbedingten Abgaben. Reine Treibstoffkosten zählen in der Regel nicht dazu. Airlines müssen steigende Kerosinpreise daher vor allem bei neuen Ticketpreisen einkalkulieren, nicht in bestehende Buchungen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr konnte dem Iran-Krieg zuletzt zumindest eine positive Seite abgewinnen. Für einige Monate, wenn nicht sogar für Jahre ist die ärgste Konkurrenz der europäischen Airlines geschwächt, weil der Iran mit seinen Raketen auch die arabischen Staaten am Persischen Golf ins Visier genommen hat.

■ Sonderkonjunktur für die Lufthansa

Von einem Tag auf den anderen standen die Drehkreuze von Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar, Etihad und Gulf Air still, über die zuvor jeden Tag tausende Touristen aus Europa zu Zielen in Asien, Australien und Afrika umgestiegen sind. „Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen. Erstaunlicherweise trifft das auch auf zehn Prozent des Verkehrs aus den USA nach Asien zu“, beschreibt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Situation vor dem Krieg.

Spohr und seine Kollegen in London und Paris können sich über eine Sonderkonjunktur freuen, denn die Passagiere suchen sich neue Wege in den Fernen Osten. Die Maschinen auf den Direktverbindungen nach Asien sind knallvoll, die Tickets entsprechend teuer. Die Europäer haben massiv die Ticketpreise erhöht, weil die Nachfrage nach Direktflügen so sprunghaft angestiegen ist, sagt Luftfahrtberater Gerald Wissel. So kostete eine Flugreise über Ostern von München nach Bangkok und zurück in der vergangenen Woche mindestens 3300 Euro.

Gesellschaften wie Lufthansa, British Airways oder Singapore Airlines haben zusätzliche Flüge aufgesetzt. Doch die Kapazitäten sind begrenzt, denn weiterhin kommen die Hersteller Boeing und Airbus mit dem Bau neuer Jets kaum hinterher. Wegen der gesperrten Lufträume über dem Iran, dem Irak und der Ukraine haben sich zwei schmale Korridore auf dem Weg zwischen Asien und Europa gebildet, die auf vielen Strecken Umwege und damit zusätzliche Kosten bedeuten.

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