BMW verlegt Demontage-Zentrum

von Redaktion

Das BMW-Werk in Wackersdorf: Die neue Recycling-Anlage entsteht neben dem Batteriezentrum. © Herbert Stolz

Wertvolle Rohstoffe: Im RDZ in Unterschleißheim werden Autodächer bisher mit einem Bagger abgerissen. In Wackersdorf soll die Demontage stärker industrialisiert werden. © BMW

München – Seit über 30 Jahren werden in Unterschleißheim im Norden Münchens BMWs zerlegt, geschreddert, geschrottet. Demnächst ist das vorbei: BMW verlegt sein Recycling- und Demontagezentrum nach Wackersdorf, wie unsere Zeitung vorab erfahren hat. Das neue Zentrum wird in das BMW-Werk in der Oberpfalz integriert. Dort werden unter anderem Cockpits gefertigt und Türen für die BMW-Tochter Rolls Royce gebaut, außerdem gibt es in Wackersdorf ein Batteriezentrum. In Betrieb soll die neue Anlage im Jahr 2029 gehen. Wackersdorf wurde in den 1980ern durch die heftigen Proteste gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe aus Kernreaktoren bekannt. Die Anlage kam nicht, dafür siedelte sich BMW an.

Nötig wurde der Umzug von Oberbayern in die Oberpfalz, weil die BMW-Recycling-Anlage wachsen soll. In Unterschleißheim gab es offenbar nicht genug Platz dafür, außerdem läuft der Nutzungsvertrag dort im Jahr 2028 aus. BMW will künftig mehr Energie in das Thema Kreislaufwirtschaft stecken und Autos perspektivisch auch in Fabriken wieder zerlegen. Um das Recycling zu industrialisieren, hat der Autobauer im Februar deshalb eine Kooperation mit der Lidl-Tochter Pre Zero gestartet. Durch Recycling und den Einsatz von Sekundärmaterial soll nicht nur der CO2-Fußabdruck der Fahrzeuge sinken, sondern auch die Abhängigkeit von Rohstoffen reduziert werden.

Dabei geht es um Plastik, Stahl oder Alu, aber vor allem auch um kritische Rohstoffe für E-Autos, die häufig aus China stammen oder unter problematischen Bedingungen abgebaut werden. Die Elektro-BMWs der „Neuen Klasse“ sollen künftig bis zu 40 Prozent aus Recyclingmaterialien bestehen, bei der Batterie soll der Recyclinganteil sogar bei der Hälfte liegen.

Das RDZ genannte Recycling- und Demontagezentrum von BMW in Unterschleißheim ist schon heute der wohl größte Autoverwerter der Republik. Hier finden pro Jahr über 10.000 Fahrzeuge ihr Ende. Die meisten sind Prototypen, Testautos, Vorserien- oder Werksfahrzeuge. Grundsätzlich können aber auch Privatpersonen ihren BMW dorthin bringen, statt ihn in die Schrottpresse zu schicken. Durch die Demontage sammelt der Autobauer nicht nur Material, sondern auch wichtige Erkenntnisse darüber, wie man ein Auto am effizientesten und schnellsten demontiert. Die fließen in eine Datenbank ein, die etwa 3000 Betriebe in 32 Ländern nutzen. Außerdem werden sie an die Zentrale zurückgespielt, damit schon bei der Entwicklung neuer Modelle darauf geachtet wird, dass die Autos besser zerlegt werden können.

Die Münchner wollen damit Vorreiter in der Autobranche werden. Die Demontage und Verwertbarkeit von E-Autos erprobt BMW im RDZ Unterschleißheim schon seit vielen Jahren. Der Prozess läuft immer ähnlich: Erst wird erfasst, was vom Auto noch brauchbar ist. Dann werden Flüssigkeiten abgelassen und gesammelt und der Airbag gesprengt. Ein Team beginnt daraufhin mit der Demontage von Teilen wie Türen, Scheiben, Sitzen oder eben der Hochvoltbatterie, die noch tausende Euro wert sein kann. Ein Bagger reißt danach das Dach ab, um an den wertvollen Kabelbaum zu kommen, in dem Unmengen an Kupfer und andere Metalle stecken. Die Reste werden am Ende in einen Würfel gepresst, aus dem ein Industrieschredder die letzten verwertbaren Teile extrahiert.

Während viel davon noch per Hand erfolgt, soll der Prozess im neuen Zentrum so weit wie möglich automatisiert werden. Das ist nötig, um wirtschaftlich zu arbeiten. Auch bei der Schredder- und Sortiertechnik will BMW mehr Know-how aufbauen, wobei die Kooperation mit der Lidl-Tochter Pre Zero helfen dürfte. Neben E-Autos, Hybriden und Verbrennern plant BMW zudem in das Recycling von Wasserstoffautos einzusteigen.

2028 soll der BMX X5 mit Wasserstoffantrieb in Serie gehen. Mit den Aufgaben dürfte auch die Belegschaft im neuen RDZ mittelfristig größer werden als die rund 100 Mitarbeiter, die bisher in Unterschleißheim arbeiten. Sie sollen entweder mit nach Wackersdorf ziehen können oder in München weiterbeschäftigt werden, sagte ein BMW-Sprecher. Bis zur Verlagerung bleibt das bisherige Zentrum in Unterschleißheim voll in Betrieb.

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