Das Werk für Backöfen in Bretten soll 2028 schließen. Dort sind aktuell rund 1000 Menschen beschäftigt. © BSH
München – Trotz Kritik und Protesten hält Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) an der Schließung der traditionsreichen Fabrik in Bretten fest. Die Entscheidung sei ihm „sehr schwergefallen“, betonte BSH-Chef Matthias Metz auf der Jahrespressekonferenz. Das Management müsse aber alle seine weltweit 56.000 Mitarbeiter im Blick haben und „rechtzeitig und verantwortungsvoll Entscheidungen treffen, selbst wenn sie schmerzhaft sind“, so Metz. Der Standort sei nicht ausreichend ausgelastet, zudem könne man für „Made in Germany“ im globalen Wettbewerb keine höheren Preise mehr erzielen.
Die Münchner Bosch-Tochter ist Europas Marktführer bei Hausgeräten und stellt unter den Marken Bosch, Siemens, Neff, Gaggenau und Thermador Geräte wie Backöfen, Spülmaschinen, Waschmaschinen und Kühlschränke her. BSH hatte im Herbst für 2028 die Schließung der Waschmaschinenproduktion in Nauen in Brandenburg und der Fabrik für Öfen und Dunstabzugshauben in Bretten angekündigt. Im baden-württembergischen Bretten, dem 1877 gegründeten Stammsitz von Neff, sollen rund 1000 Mitarbeiter ihren Job verlieren – obwohl BSH viel Geld in die Modernisierung des Werkes investiert hatte.
Die Belegschaft in Bretten ist sauer. Auch der Bürgermeister der Stadt, die vor vier Jahren 8,5 Millionen Euro in ein Parkhaus für das Werk investiert hat, ist irritiert. „Wir können das nicht akzeptieren, das Werk schreibt schwarze Zahlen“, zitiert die „FAZ“ die Arbeitnehmervertreter. „Hier soll ein Standort geschlossen werden, der wirtschaftlich stabil dasteht.“ BSH bestätigte, dass derzeit Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer laufen.
Wirtschaftlich habe sich BSH 2025 „trotz schwierigem Fahrwasser wacker geschlagen“ berichtete BSH-Chef Metz. Mit rund 15 Milliarden Euro blieb der Umsatz stabil, bereinigt um Währungsschwankungen gab es ein Plus von 2,8 Prozent. Dennoch spüre er „viel Gegenwind“, so Metz. Konsumenten würden ihr Geld zusammenhalten, in Deutschland drücke zudem die Baukrise auf das Geschäft. Ohne Neubauten würden weniger Küchen und Küchengeräte verkauft. Ihren exakten Gewinn weist die Bosch-Tochter zwar nicht aus, sie sei aber trotz hoher Kosten für Personalabbau und Abfindungen profitabel, bestätigte Finanzchef Thorsten Lücke.
Der Vorstand betonte zudem, dass BSH trotz geplanter Schließungen weiter in Deutschland produziere. So gibt es zum Beispiel eine Produktionsstätte für Öfen in Traunreut am Chiemsee oder ein Werk für Spülmaschinen im schwäbischen Dillingen. BSH habe in die deutschen Standorte erst 300 Millionen Euro investiert, so Metz. „Die BSH bleibt in Deutschland“, sagte er.A. HÖSS