Der Weltraumbahnhof nördlich der Lofoten konkurriert mit angestammten Fanggründen. © dpa, Isar Aerospace
Andoya/München – Der von Raumfahrt- und Rüstungsindustrie mit Spannung erwartete zweite Testflug einer deutschen Weltraumrakete in Norwegen ist an einem norwegischen Fischer gescheitert. Skipper Olafur Einarsson räumte in der Zeitung „Kyst og Fjord“ (Küste und Fjord) ein, dass er mit seinem Boot die maritime Sicherheitszone um den Weltraumbahnhof Andoya nicht rechtzeitig verlassen hatte. Deswegen war der Start am Mittwochabend um 21:21 Uhr abgebrochen worden. Zuvor hatte der Raketenhersteller Isar Aerospace das Eindringen eines unautorisierten Boots in die Sicherheitszone verantwortlich gemacht.
Nach der Entdeckung von Einarssons Boot war der Countdown angehalten worden. Der Reset des Countdowns hätte nach Angaben des Unternehmens das genehmigte Zeitfenster für den Start überschritten. Fischer Einarsson bestritt in dem Gespräch mit der Zeitung eine absichtliche Sabotage des Starts: „Wir wollten eigentlich etwas früher fertig sein, aber wir hatten Probleme mit der Strömung und ein Durcheinander mit dem Fanggerät.“ Der Zeitung zufolge soll Einarsson bereits in der Vergangenheit eine Militärübung in der Gegend gestört haben, der Fischer weist jedoch böse Absichten zurück.
Im Hintergrund schwelt ein Konflikt der ortsansässigen Bevölkerung mit dem Weltraumbahnhof. Andoya ist eine nördlich der Lofoten gelegene große Insel, die Fischer fürchten Einschränkungen bei der Nutzung ihrer Fanggründe.
Auf der „Spectrum“ getauften Rakete ruhen große Hoffnungen. Sie soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Nach Worten von Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler ist das Unternehmen jetzt schon bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Grund des großen Interesses ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit Langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten von Space X ins All befördert.