Trotz Minus: Bahnchefin sieht „Trendwende“

von Redaktion

Die Generalsanierung läuft. Es werde aber zehn Jahre dauern, die Bahn fit zu machen, sagt die Bahnchefin. © dpa

Berlin – Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr unter dem Strich erneut einen Milliardenverlust gemacht. Nach Steuern blieb ein Minus von 2,3 Milliarden Euro, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bilanzbericht hervorgeht. Stark negativ wirkte sich unter anderem eine Abschreibung von 1,4 Milliarden Euro im Fernverkehr aus, die sich aus verschlechterten Umsatzerwartungen angesichts der maroden Infrastruktur ergibt. Der Konzernumsatz stieg um drei Prozent auf 27 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 630 Millionen auf ein Plus von 297 Millionen Euro.

Bahn-Chefin Evelyn Palla sprach angesichts dieser Zahlen von einem „wichtigen Schritt nach vorne“. Es zeichne sich eine „Trendwende“ ab. „Besser ist aber noch nicht gut genug.“ Die Abschreibung im Fernverkehr sei Ausdruck eines „neuen Realismus“, sagte Palla. „Baustellen und Einschränkungen werden uns noch über Jahre begleiten und insbesondere den Fernverkehr mit seinen langen Laufwegen spürbar belasten.“ Es werde mindestens zehn Jahre dauern, die Schiene wieder in einen guten Zustand zu bringen. „Diese Realität müssen wir klar benennen und auch in unseren Zahlen abbilden.“ Im vergangenen Jahr war die Pünktlichkeit im Fernverkehr auf nur noch 60,1 Prozent gesunken, im Vorjahr waren es noch 62,5 Prozent. „Jetzt gilt es erst einmal, diese Talfahrt zu stoppen“, sagte Palla. 2029 sollen wieder 70 Prozent der ICE pünktlich fahren.

Zugleich wuchs die Zahl der Reisenden im Vorjahresvergleich um 3,4 Prozent auf 1,93 Milliarden an, vor allem im Regional- und Nahverkehr. Auch die Verkehrsleistung stieg um 2,7 Prozent auf rund 87 Milliarden Personenkilometer. Die steigenden Benzinpreise in den vergangenen Wochen hätten zudem zu einem weiteren „deutlichen Nachfrageanstieg“ geführt, berichtete der neue DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht die DB unter Palla auf dem richtigen Weg. Der Vorsitzende Detlef Neuß sagte der „Rheinischen Post“, sie habe „damit aufgehört, die Fahrgäste zu belügen und ihnen zu erzählen, alles wird innerhalb kurzer Zeit gut“.

Trotz der mäßigen Bilanz ist die Vergütung alter und neuer Bahnvorstände üppig. Sie belief sich im vergangenen Jahr inklusive Abfindungen und Bonus-Zahlungen auf insgesamt rund 17,3 Millionen Euro. Den größten Teil davon erhielt mit knapp 5,5 Millionen Euro der frühere Bahnchef Richard Lutz, wie aus dem neuen DB-Geschäftsbericht hervorgeht. Das Festgehalt von Lutz betrug dabei 1,4 Millionen Euro. Darüber hinaus bekam er infolge seiner vorzeitigen Abberufung zum Oktober eine Abfindung von knapp 3,5 Millionen Euro plus Boni. AFP/DPA/DW

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