Gefährliche Schnäppchen

von Redaktion

München – Online-Plattformen wie Temu oder Shein sind vom Preis her kaum zu schlagen: Für nur wenige Euro kann man bei den chinesischen Händlern Schuhe, T-Shirts, Plüschhasen, Akkubohrer und Lautsprecher bestellen. Doch hinter den günstigen Angeboten können sich erhebliche Risiken verbergen – denn die in der EU geltenden Sicherheitsstandards sind keineswegs gewährleistet, warnt die Verbraucherzentrale Bayern.

■ Ein Viertel der Produkte gefährlich

Immer häufiger gelangen Waren aus Drittstaaten direkt über Online-Marktplätze auf den europäischen Markt. Wie groß das Problem von Sicherheitsmängeln sein kann, zeigt unter anderem ein Test der Stiftung Warentest aus dem vorigen Jahr. Untersucht wurden 162 Artikel, darunter Schmuck, Babyspielzeug und USB-Ladegeräte, die über Temu und Shein verkauft wurden. Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel, 110 der getesteten Artikel, erfüllten nicht die EU-Sicherheitsanforderungen. Rund ein Viertel der Produkte stuften die Tester sogar als potenziell gefährlich ein. Teilweise wurden giftige Schwermetalle in Schmuck gefunden, Babyspielzeug enthielt Schadstoffe und einige USB-Ladegeräte erhitzten so sehr, dass Brandgefahr bestand.

■ 400.000 Pakete täglich überfordern

Allein im vergangenen Jahr wurden laut EU-Kommission rund 4,6 Milliarden Pakete mit geringem Warenwert aus Drittstaaten in die EU geliefert, das sind etwa zwölf Millionen pro Tag. Deutschland erreichen täglich 400.000 Pakete. Diese Masse bringt die Behörden an ihre Grenzen, umfassende Kontrollen durch Zoll- und Marktüberwachungsbehörden sind nahezu unmöglich. Gleichzeitig gehen viele Käufer davon aus, dass Produkte, die online angeboten werden, automatisch sicher sind. Studien zeigen, dass etwa 90 Prozent der Konsumenten erwarten, dass Waren den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. Die Praxis zeigt jedoch, dass diese Erwartung häufig nicht erfüllt wird. Besonders bei Produkten aus Drittstaaten fehlen teilweise wichtige Sicherheitsnachweise oder korrekte Kennzeichnungen. Fachleute berichten von Schadstoffen in Textilien und Lederprodukten, problematischen Chemikalien oder technischen Geräten ohne ausreichende Sicherheitsprüfung.

Um gefährliche Produkte schneller zu erkennen, existieren europäische Warnsysteme wie das sogenannte „Safety Gate“, über die Behörden unsichere Produkte melden können. Auch Regelwerke wie die EU-Chemikalienverordnung REACH oder das europäische Vorsorgeprinzip sollen Verbraucher schützen. Dennoch gelangen weiterhin riskante Produkte in den Handel.

■ Frage der Verantwortung

Zentraler Streitpunkt ist die Verantwortung der Online-Plattformen. Viele fungieren lediglich als Marktplatz für Drittanbieter. Wird ein problematisches Produkt entfernt, tauchen häufig kurz darauf ähnliche Angebote wieder auf. In der politischen Diskussion wird daher gefordert, die Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Instrumente wie der Digital Services Act (DSA) sollen Online-Marktplätze verpflichten, problematische Produkte schneller zu identifizieren und zu entfernen. Gleichzeitig wird über strengere Regeln für Anbieter aus Drittstaaten diskutiert.

Ein möglicher Ansatz wäre die verpflichtende Benennung eines EU-Bevollmächtigten, erklärt Stefanie Grunert von der Verbraucherzentrale Bayern. Dieser soll als verantwortlicher Ansprechpartner innerhalb der Europäischen Union fungieren und im Schadensfall für Behörden und Verbraucher erreichbar sein. Darüber hinaus fordern Experten strengere Zollkontrollen, mehr Transparenz bei Online-Plattformen und bessere technische Systeme, um gefährliche Produkte frühzeitig zu erkennen. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte künftig helfen, riskante Angebote schneller aufzuspüren.

■ Verbraucher müssen aufmerksam bleiben

Neben Politik und Wirtschaft stehen die Verbraucher aber auch selbst in der Verantwortung. Extrem niedrige Preise sollten ein Warnsignal sein. Wer online einkauft, sollte auf Sicherheitskennzeichnungen, seriöse Händler und transparente Herstellerinformationen achten.

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