München/Berlin – Der Iran-Krieg hat eine Inflationswelle in Gang gesetzt, die erst nach und nach bei den Verbrauchern ankommen könnte. Beispiel Landwirtschaft: Mineraliendünger hat sich auf den Weltmärkten seit Jahresbeginn um rund 30 bis 40 Prozent verteuert. Das sagt Philipp Spinne, der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Damit ist eine ähnliche Situation eingetreten wie im Februar 2022: „Die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger nähern sich immer mehr dem Höchstniveau an, das wir zu Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine hatten“, sagt Spinne.
In Europa sind die Auswirkungen für die Verbraucher bisher nicht unmittelbar zu spüren. Denn viele Landwirte hatten ihren Dünger für dieses Frühjahr schon vor Kriegsbeginn gekauft, wie ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands sagt. Doch sollte der Krieg lang dauern, werden die Produktionskosten der deutschen Landwirte voraussichtlich steigen, und damit auch die Erzeugerpreise.
„Die Gaspreise bestimmen zwischen 80 und 90 Prozent der Kosten der Ammoniak- und Stickstoffproduktion“, erklärt ein Sprecher des Industrieverbands Agrar. Wird Gas teurer, steigen also automatisch auch die Düngerpreise.
Zweites Beispiel: Speditionen. Der starke Anstieg der Dieselpreise belastet das Speditionsgewerbe erheblich. Seit Beginn des Iran-Kriegs sei der Preis um rund 40 Cent pro Liter gestiegen, sagte Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern und einem Verbrauch von 30 Litern pro Kilometer ergeben sich für einen Lkw Mehrkosten von rund 1200 Euro pro Monat. Bei einer Flotte von 50 Fahrzeugen summiere sich dies auf mehr als 700.000 Euro im Jahr. „Dass dies früher oder später Auswirkungen auf die Verbraucherpreise haben könnte, ist naheliegend“, so Engelhardt.