Olaf Zimmermann kennt sich aus in den Heizungskellern Oberbayerns. Dass jetzt wieder neue Ölheizungen eingebaut werden dürfen, hält er für keine gute Idee. © marcus schlaf
München – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) revidiert das Heizungsgesetz von Robert Habeck. Bisher sah das Gesetz vor, dass in Bestandsbauten nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung eine Heizung mit 65 Prozent Erneuerbaren Energien betrieben werden soll – faktisch wäre das auf die Wärmepumpe hinausgelaufen. Das soll nicht mehr gelten, jetzt sollen auch neue Öl- und Gasheizungen in der Breite wieder zugelassen werden. Wir sprachen darüber mit Olaf Zimmermann, Chef von Heizung Obermeier in München und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Der Heizölpreis ist wegen des Iran-Kriegs durch die Decke geschossen. Verkaufen Sie aktuell noch Ölheizungen oder wollen alle jetzt die Wärmepumpe?
Also bei mir hat noch niemand seinen Auftrag storniert. Es gibt immer noch Leute, die auf Öl und Gas setzen. In einigen Fällen mag das auch Sinn machen, aber generell ist die Wahl der Heizung zu einem Glaubenskrieg geworden.
Woher kommt das?
Die Wärmepumpe ist in Deutschland politisch kaputtgeredet worden. Die Diskussion müsste sachlich und ohne Realitätsverlust geführt werden.
Was fragen die Kunden aktuell nach?
Gefragt sind weiterhin Öl- und Gasheizungen. Bei vielen steht jetzt der Austausch an, die alten Kessel sind teilweise 20 oder 30 Jahre alt, manchmal sogar älter. In München sind aber auch verstärkt Fernwärmeanschlüsse gefragt. Wenn die Stadtwerke hierauf einen verschärften Fokus legen würden, könnte man noch mehr Mehrfamilienhäuser von den fossilen Brennstoffen hin zu den Erneuerbaren Energien führen.
Wie sieht es in den kleineren Gemeinden aus?
Auf dem Land sehen wir einen Trend zur Wärmepumpe, in Neubauten ist das sowieso normal. Es fällt auch auf, dass die Jüngeren der Wärmepumpe aufgeschlossen gegenüberstehen. Die schwierigen Diskussionen führe ich meist mit Älteren, weil sie durch die Politik verunsichert wurden.
Der Einbau einer Wärmepumpe kann auch schnell 30.000 Euro kosten.
Das Teure ist oft nicht die Wärmepumpe selbst, sondern der ganze Elektropart. Ich gehe oft in Keller runter und sehe dort alte Schraubsicherungen. Dann muss erstmal der Elektriker kommen, in alten Gebäuden kann das bis zu 10.000 Euro zusätzlich ausmachen. Gerade ältere Leute sagen dann oft, dass sich das für sie nicht mehr lohnt. Also wird wieder eine Gas- oder Ölheizung eingebaut.
Wann amortisiert sich die Wärmepumpe?
Meist nach sechseinhalb Jahren – trotz der zurzeit hohen Strompreise. Würde die Bundesregierung an die hohen Strompreise ran, würde das schneller gehen. Dass Frau Reiche in diese Richtung nichts tut, ist unverständlich. Die müsste jetzt eigentlich die Peitsche schwingen, um den Netzausbau massiv zu beschleunigen. Gerade jetzt wäre es wichtig, den Fokus konsequent auf den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu richten – besonders angesichts der derzeitigen Entwicklungen bei den Kraftstoffpreisen.
Das geschieht aber nicht, die 65-Prozent-Regel, mit der die Wärmepumpe durchgesetzt werden sollte, soll fallen.
Man kann auf die Wärmepumpe schimpfen, wie man will, aber die 65-Prozent-Regel war für uns Heizungsbauer ein klarer Fahrplan. Auch als Kunde hatte man Planungssicherheit. Jetzt soll wieder alles geändert werden. Und es kommt noch schlimmer: Der Plan von Frau Reiche sieht auch vor, dass dem Heizöl biogenes Öl beigemischt werden soll, grünes Heizöl.
Was ist das Problem?
Wir wissen nicht, wie die Mischung genau definiert ist. Das macht es für Heizungsbauer gerade nicht leicht, zu beraten, auch was die Öltanks angeht.
Was hat der Öltank damit zu tun?
Da geht es um die Haltbarkeit des Heizöls. Biogenes Öl hat eine andere Haltbarkeit als konventionelles Heizöl. Das kann sein, dass Leute mit großen Tanks ein Problem bekommen, wenn das Öl darin zu lange lagert.
Wie sieht es beim Gas aus?
Hier sollen Biomethan und Wasserstoff beigemischt werden. Woher der ganze Wasserstoff herkommen soll und was das für den Kunden am Ende kosten wird, bleibt ebenso unklar. Und ausgerechnet Wasserstoff.
Was ist daran verkehrt?
Wasserstoff ist der Champagner der Verbrennung. Das fürs Heizen zu verwenden, ist kompletter Irrsinn. Der Wasserstroff soll durch Strom erzeugt und dann verbrannt werden – anstatt gleich mit Strom zu heizen. Außerdem benötigt auch die Industrie Wasserstoff. Und wenn ich den Wasserstoff importiere, kommt er womöglich doch wieder aus Katar und muss durch die Straße von Hormus geschifft werden. Das macht alles keinen Sinn.
Was wäre zu tun?
Ein schneller Ausbau der Erneuerbaren und eine Ertüchtigung der Stromnetze. Der Iran-Krieg zeigt uns, dass wir weg müssen von den Abhängigkeiten. Und den Klimawandel gibt‘s ja auch noch. Auf der Zugspitze wurde jetzt der letzte Gletscher-Skilift gesprengt, weil der Schneeferner schmilzt. Irgendwann ist die Klimakatastrophe eben da. Mir könnte das ja egal sein, dann verkauf ich eben Klimaanlagen, aber wir müssen ja auch an die nächste Generation denken.
Noch hat Frau Reiche ihren Gesetzentwurf nicht vorgelegt, bekannt sind nur die Eckpunkte. Wo müsste man aus Ihrer Sicht nachbessern?
Technologisch gesehen läuft am Ende alles auf die Elektrifizierung unserer Häuser hinaus, also auf die Wärmepumpe. Das ist der Trend, und das ist der Weg, den die Politik einschlagen sollte. Jetzt geht die Diskussion wieder von vorne los – davon haben die Kunden nichts.
Sind Holz und Pellets eine Alternative?
Für eine Großstadt wie München ist das nicht mehr zeitgemäß, aber in den Landkreisen im Umland kann das eine Alternative sein. Aber meistens scheitert die Pelletheizung am Platz für einen großen Lagerraum für die Pellets.
Was tun, wenn ich eine neue Heizung brauche?
Wenn ich das Thema ganzheitlich angehen will, gehe ich zum Energieberater. Der weiß auch am besten, wo es staatliche Fördergelder gibt. Wenn’s nur um die Heizung geht, dann geht man zum Heizungsbauer seines Vertrauens.
Müssen Sie als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer nicht für alle Betriebe sprechen?
Natürlich gibt es Betriebe, bei denen meine Ansichten nicht gut ankommen. Auf Facebook knallen die mich dann mit Kommentaren zu, weil ich angeblich zu wärmepumpenlastig sei. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Zeiten des Verbrennens von Öl und Gas einfach vorbei sind.