Besonders Japan und Südkorea sind von hohen Importpreisen betroffen. Aber auch Deutschland ist abhängig vom Weltmarkt für fossile Energie. © KAZUHIRO NOGI/afp
München – Der eskalierende Iran-Krieg und ein steigender Ölpreis hat den Börsen in Ostasien teilweise heftig zugesetzt. Der japanische Leitindex Nikkei 225 brach am Montag zum Handelsstart um mehr als fünf Prozent ein und schloss mit einem Minus von 2,8 Prozent. Der südkoreanische Kospi sackte um fast drei Prozent ab. Die ostasiatischen Volkswirtschaften sind besonders stark von Öl- und Gaslieferungen über die derzeit nahezu geschlossene Straße von Hormus angewiesen. Aber auch in Deutschland rollt die Kostenwelle jetzt erst richtig an.
Wie reagieren die Märkte?
Die Preise für Rohöl erreichten gestern mit knapp 117 Dollar pro Barrel ein Vier-Jahres-Hoch. Das ist nur knapp unter dem Rekord vom Juni 2022, nachdem Russland die Ukraine überfallen hatte. Seit Beginn des Iran-Kriegs hat sich Rohöl damit um 60 Prozent verteuert. Beim Raffinerieprodukt Gasöl, eng verwandt mit Heizöl und Diesel, ging es bis gestern um 93 Prozent rauf. Die Preise für Erdgas und damit Strom blieben indes auf hohem Niveau stabil. David Fyfe, Chefökonom der Preisberichtsagentur Argus Media, erklärt das so: „Die Gefahr durch Angriffe der Huthi-Milizen im Roten Meer bedroht die Öl-Lieferungen mehr als die von Gas. Gleiches gilt für die Gerüchte um den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran.“ Zudem sei die Gas-Nachfrage in Asien bereits durch Einsparungen und den Einsatz von Kohlekraft zurückgegangen, erklärt Fyfe, bei Öl bislang nicht.
Wird Sprit jetzt knapp?
In Asien ist Kraftstoff bereits rar. „In Europa kommen gerade die letzten Diesel- und Kerosin-Lieferungen aus Nahost an“, erklärt Francis Osborne von Argus Media. „Danach wird sich die Region auf ihre Tanklager verlassen müssen oder auf dem Weltmarkt auf Importe bieten.“ Laut Argus könnten allein 200.000 bis 300.000 Barrel Diesel pro Tag fehlen, rund 17 Prozent des Import-Bedarfs. Die Preise dürften also hoch bleiben. Benzin gelte dafür als Überschussprodukt, hier sollte Europa sich versorgen können. Die Argus-Marktbeobachter fürchten, dass die Lage in Nahost sich erst im Juni so weit beruhigt, dass frischer Kraftstoff aus der Region den Weltmarkt erreicht. Denn Donald Trumps Drohungen ließen die Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Krieges schwinden. Und selbst wenn es zum Frieden kommt, dürfte es noch Monate dauern, alle Energie-Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen, so Argus Media. Aber: Sobald das geschafft ist, könnten die Preise Richtung Vorkrisen-Niveau vom Februar fallen.
Und Erdgas?
Die Preise waren seit Kriegsbeginn bereits um 72 Prozent auf 55 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Das spiegelt das Ausmaß der Krise aber nicht wider, warnt Tobias Federico, Chef-Analyst bei Montel Analytics. Es sei „wahrscheinlich, dass sich die Großhandelspreise für Gas in Europa auf etwa 120 Euro verdoppeln könnten.“ Dabei gehe es gar nicht so sehr um die aktuellen Einschränkungen: „Die USA können dieses Angebot in den kommenden Jahren problemlos ausgleichen“, so Federico. Es gehe viel mehr darum, welche Schäden im weiteren Verlauf des Krieges entstehen. Denn der Iran hat bereits in den vergangenen Wochen systematisch Förder- und Transport-Anlagen im ganzen Nahen Osten beschossen. „Ich gehe davon aus, dass der Markt ein größeres Schadenspotenzial einpreist als wir bisher gesehen haben. Und das Risiko weiterer Schäden steigt, je länger der Krieg dauert.“ Das ist auch ein bedrohliches Szenario für die Stromkosten: Weil Deutschland hochgradig abhängig von Gaskraftwerken ist, bestimmen sie wesentlich den Preis.
Was gilt für Verbraucher?
Die Verbraucherpreise für Gas und Strom reagieren verzögert auf den Großmarkt. Dauert eine Krise länger, werden meist auch die Kosten für Bestandskunden erhöht. Wirksamen Schutz bietet nur ein neuer Tarif mit langer Preisgarantie, selbst wenn es beim selben Anbieter ist. Neukunden bekommen Strom in München auch bei großen Versorgern gerade ab 29 Cent die Kilowattstunde (kWh; bei 4000 kWh Jahresverbrauch), inklusive Neukundenprämie und Grundgebühr. Das zeigt das Vergleichsportal Verivox. Trotz gestiegener Preise ist das oft ein Gewinn: Laut Energiewirtschaftsverband BDEW zahlen Bestandskunden im Durchschnitt 37 Cent. Erdgas gibt es ab 11 Cent/kWh bei 20.000 kWh Verbrauch. Heizölkunden sollten jetzt Ruhe bewahren, rät Oliver Klapschus, Chef des Vergleichsportals Heizoel24: „Wer noch genug Öl hat, sollte bis Ende Juni oder Anfang Juli mit der Bestellung warten.“ Denn die Bestellungen für den Winter würden nicht vor August anziehen.
MATTHIAS SCHNEIDER