Prototypen für autonomes Fahren: Dieses Rapid-Response-Fahrzeug soll Verletzte im Kriegsgebiet bergen. © dpa
Markus Söder (CSU) (li.) und der künftige BMW-Chef Milan Nedeljkovic laufen durch die Hallen in Spartanburg.
Spartanburg – Thomas Bambl kann seine Herkunft nicht verleugnen. Der Dialekt ist unverkennbar bairisch, was seine Gäste natürlich freut. Der Fahrzeugprojektleiter von BMW steht 7500 Kilometer vom Mutterwerk in Milbertshofen entfernt vor Ministerpräsident Markus Söder und dem designierten BMW-Chef Milan Nedeljkovic, der bislang als Produktionsvorstand fungiert. Ihnen präsentiert Bambl eine neue, innovative Lösung zur Montage für die Dichtung von Autotüren. Kein Wind soll ins Wageninnere dringen, am besten auch kein Ton. Dazu hat die kleine Firma AyTec aus Mintraching bei Regensburg extra einen Roboter über den großen Teich nach South Carolina gebracht. Amerikanische Zukunftstechnologie, made in Bavaria.
Während seiner US-Reise macht Söder natürlich auch bei BMW in Spartanburg Station, Milan Nedeljkovic ist eigens deshalb eingeflogen. Der 61-Jährige, der 1993 als Trainee bei BMW anfing, wird Mitte Mai Nachfolger von Oliver Zipse. Es geht viel um Symbolik bei diesem Termin, auch wenn ein Donald Trump in Washington davon sicher keine Notiz nimmt. In South Carolina preisen jedoch auch die republikanischen Regionalpolitiker die Deutschen, die in den 90ern ihr Werk dort errichteten, wo seit Sklavenhalterzeiten Baumwolle angebaut wurde. 16 Milliarden US-Dollar wurden bereits investiert. Aktuell fließen 1,7 Milliarden Dollar in den Ausbau des Werks, damit hier Ende des Jahres auch E-Autos vom Band laufen können.
Und die Bilanz ist beeindruckend. Es sei nicht darum gegangen, ein Werk zu errichten, um den amerikanischen Markt zu bedienen, stellt Milan Nedeljkovic klar. „Es ist ein volles Mitglied unseres weltweiten Produktionsnetzwerks.“ Heißt: Von den mehr als 410.000 Autos (vor allem X-Modelle), die allein im vergangenen Jahr in Spartanburg produziert wurden, ging die Hälfte in rund 120 Länder – übrigens auch nach Deutschland. BMW zahlt also nicht nur Zölle für den deutschen Export in die USA, sondern auch für US-Importe nach Europa.
„Wir sind tief verwurzelt in South Carolina“, sagt Milan Nedeljkovic. Das wissen übrigens auch Trumps Parteifreunde im republikanisch regierten Staat. Weil sie die Zahlen kennen: Mit 11.000 Mitarbeitern ist Spartanburg das größte BMW-Werk der Welt. Mehr noch: Eine Studie der University of Carolina ergab, dass 43.000 Jobs in der Region direkt oder indirekt von den deutschen Autobauern abhängen. Allein in South Carolina sind 60 Zulieferer ansässig. Viele davon ebenfalls mit bayerischen Wurzeln. Beim Mittagessen mit der deutschen Delegation wird das besonders schön deutlich – es ist ein sympathisches Festival der bairisch-englischen Dialektik.
Wie viel Zukunft trotz aller Debatten noch in der Autoindustrie steckt, wird beim Rundgang über den Campus der Clemson University deutlich. 2007 gegründet, BMW war damals Gründungspartner, studieren hier heute 700 junge Menschen die Zukunft der Automobiltechnologie. Natürlich geht es meist um autonomes Fahren. Zu den Kunden gehören auch Ford, Honda oder Toyota. Aber auch Verteidigungstechnologie wird immer wichtiger. Markus Söder lässt sich ein Rapid-Response-Fahrzeug zeigen, das Verletzte im Kriegsgebiet selbstständig bergen kann. Es ist vollgepackt mit Sensoren und Technik. So lassen sich im Einsatz zusätzliche Opfer vermeiden. Und wenn selbstständig gar nichts geht, dann gibt es noch einen Controller wie von einer Playstation, mit der man das Ding manuell steuern kann.
Das ist natürlich Zukunftsmusik. Noch werden in den riesigen Hallen in Spartanburg traditionellere Fahrzeuge montiert. Platz spielt hier – anders als in München – keine Rolle. Die Halle ist riesig. Auch das europäische Verbrennerverbot scheint hier weit weg. Thema ist es trotzdem. Söder lehnt den EU-Kompromiss noch immer ab. Bis Juni dürfte eine Entscheidung fallen. Erst im EU-Parlament, dann im EU-Rat der Länder. Doch derzeit ist offen, wie Deutschland abstimmt, die SPD ist noch immer gegen den Verbrenner. „Wir werden uns sehr intensiv einspreizen“, sagt Söder. Am Verbot festzuhalten, wäre „das größte industriepolitische Eigentor in der europäischen Geschichte“. Man dürfe den Chinesen nicht den Markt überlassen.
Der künftige BMW-Chef Nedeljkovic nickt zufrieden: „Sie treffen genau den Punkt.“