Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, erklärt, wie Anleger jetzt reagieren sollten.
Nach der Aussicht auf einen Waffenstillstand im Iran herrscht Euphorie an den Börsen. Zu Recht?
Das ist keine Euphorie, das ist die Rückkehr zu den Ständen von vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Grundsätzlich ist das gerechtfertigt, denn an den Börsen schaut man lange in die Zukunft und rechnet damit, wieder stabile Lieferketten im Energiebereich zu erhalten. Kurzfristig kann es jedoch einige Stolpersteine geben: Die Beendigung des Militärkonflikts nach der Waffenruhe ist keine ausgemachte Sache. Und auch die Normalisierung der Energieversorgung wird noch Monate dauern, in denen die Preise weiterhin erhöht bleiben.
Können Anleger jetzt in der Tendenz mit steigenden Kursen rechnen?
Jedenfalls kann sich die Börse wieder mehr den wirtschaftlichen Themen zuwenden. Das wirtschaftliche Wachstum wird wahrscheinlich trotz der vielen Konflikte weltweit anhalten. Dies ist der Stoff, aus dem höhere Börsenkurse gemacht sind. Allerdings dürfte das Tempo von weiteren Kursanstiegen gegenüber den vergangenen Jahren etwas gedämpft ausfallen.
Wie groß ist die Inflationsgefahr aktuell noch?
Wenn sich tatsächlich eine Normalisierung am Persischen Golf ergibt, werden die hohen Benzinpreise in den kommenden Monaten aus den Inflationsraten verschwinden. Beim Erdgas könnte die Preisnormalisierung länger dauern, hier müssen Produktionsanlagen wieder aufgebaut werden. Die Inflationsviren müssen jetzt ausgeschwitzt werden, solange muss die Europäische Zentralbank noch wachsam bleiben.
Was raten Sie Anlegern?
Unbedingt weiter bei der eingeschlagenen Strategie bleiben. Der typische langfristig orientierte Aktiensparer bleibt in solchen Situationen investiert. Aus geopolitischen Ereignissen lässt sich systematisch keine Überrendite erzielen. Nach dieser Devise haben die meisten Aktionärinnen und Aktionäre in den vergangenen Wochen auch gehandelt. Entsprechend sind die Aktienmärkte relativ stabil geblieben.