Zweifel an der Zapfsäule

von Redaktion

Besuch an der Tankstelle: Autofahrer haben wenig Hoffnung auf sinkende Spritpreise

Übt sich in Gelassenheit: Marcus Görig.

Fürchtet, dass die hohen Preise noch länger bleiben: Markus Reith hat einen Kombi zu betanken. © Achim Schmidt (3)

Die 12-Uhr-Regel derzufolge Tankstellen nur noch einmal täglich die Preise erhöhen dürfen, hat nach Meinung von Peter Germann nichts verbessert – ganz im Gegenteil.

Die Auswirkungen des Waffenstillstands im Nahen Osten sind an den Zapfsäulen in München noch nicht zu spüren. Während es mit dem Preisanstieg zu Beginn des Krieges schnell ging, dauert es in umgekehrter Richtung länger. Schauplatz Aral-Tankstelle Garmischer Straße: Kaum ein Kunde erwartet größere Veränderungen nach unten auf der Preistafel. „2,24 Euro sind doch schon richtig billig“, sagt etwa Peter Germann (69) sarkastisch. „In dem Moment, wo es hieß, die Benzinpreise dürfen nur noch einmal täglich erhöht werden, sind sie maßlos in die Höhe geschossen. Hormus hin oder her, jetzt pendelt es nur noch zwischen teuer und noch teurer.“ Hinter dem Ärger steckt bei dem Arzt Resignation. „Was wir gerade erleben, ist Kapitalismus pur, von Trump bis zu den Benzinpreisen.“

Markus Reith (37), Kaufmann, der gerade seinen Kombi betankt, ist richtig wütend. „Die Benzinpreise sind eine Unverschämtheit“, sagt er. „Ich zahle jetzt 159 Euro für 62 Liter. Mir machen 100 Euro mehr im Monat nicht so viel aus, aber es gibt Menschen, die schlucken da schon heftig. Für jemanden, der im Supermarkt 1800 Euro verdient, ist das extrem. Und dass die Straße von Hormus wirklich öffnet, glaube ich auch nicht. Das geht noch sechs Monate so weiter.“

Die Preistafel gibt den Kunden um 12 Uhr Recht: Es geht nach oben. Super kostet jetzt 2,28 Euro pro Liter, Diesel steigt von 2,48 auf 2,53, alle Sorten werden teurer. Ein Szenario, das den Tankstellenbetreibern genauso wenig gefällt. „Wir erleben die aktuelle Situation als herausfordernd für unsere Kunden, ebenso wie für uns selbst“, sagt Christian Amberger, Inhaber und Geschäftsführer bei Allguth. „Als Einzelhändler kaufen wir unsere Kraftstoffe täglich bei regionalen Raffinerien zu den aktuellen Marktpreisen ein. Wann sich eine Entspannung am Ölmarkt bemerkbar macht, bleibt abzuwarten. Sobald die Beschaffungskosten nachgeben, geben wir das selbstverständlich an unsere Kunden weiter.“

Bis dahin hilft es wohl, sich die Haltung von Marcus Görig (59) zu eigen zu machen. „Dass bei Krieg die Spritpreise steigen, gab es doch schon hundert Mal“, sagt der Mitarbeiter eines Auktionshauses. „Das geht vorbei wie Husten. Vielleicht sinken sie ja schon nächste Woche wieder.“ISABEL WINKLBAUER

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