Märkte trauen dem Frieden nicht

von Redaktion

Börsenhändler in Dubai: Weltweit hält die Unsicherheit wegen der nach wie vor unklaren Lage in Nahost an. © Ali Haider/EPA

Frankfurt – Angesichts der Luftangriffe Israels im Libanon droht der Iran, die gerade erst mit den USA vereinbarte Waffenruhe platzen zu lassen. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte: Frieden sieht anders aus. Die erneut völlig unklare weltpolitische Lage hat auch die Stimmung an den Rohstoff- und Aktienmärkten weltweit kippen lassen.

Am Mittwoch war der Deutsche Aktienindex Dax, angetrieben von der angekündigten zweiwöchigen Waffenruhe, um 5,1 Prozent nach oben geschnellt. Doch schon am nächsten Handelstag fehlten Anschlusskäufe. Im Gegenteil bekamen Investoren angesichts der schwindenden Hoffnung auf Entspannung kalte Füße. Dazu kommt, dass Marktbeobachter erwarten, dass die Notenbank der USA eine Zinserhöhung zur Eindämmung der Inflation für nötig halten könnte. Steigende Zinsen beeinflussen den Aktienmarkt negativ.

Die Ölpreise steigen nach dem Einbruch am Mittwoch wieder leicht. Die Waffenruhe im Iran-Krieg scheint brüchig, und die für den Transport von Öl und Gas besonders wichtige Meerenge, die Straße von Hormus, bleibt für die meisten Schiffe so gut wie unpassierbar. Selbst wenn die Passage wieder möglich wird: Über 800 festsitzende Schiffe müssen erst einmal durchgeschleust werden. Nach einer Analyse der Société Générale dürfte allein das zwei Wochen dauern. So schnell wird es also mit einer Normalisierung der Versorgungslage nichts werden.

Gestern lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni bei 97,24 US-Dollar und damit 2,6 Prozent höher als am Vortag. Der Preis war tags zuvor im Zuge der Waffenruhe mit fast 90 Dollar auf das tiefste Niveau seit Mitte März gesackt. Auch der Preis der US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai legte heute Morgen wieder zu. Die Ölpreise bleiben derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.

Die Spritpreise werden nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr auch in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben. „Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch“, sagte Felbermayr der „Welt“. Auch wenn sich die Lage weiter beruhige, müsse sich „das gesamte System erst in ein neues Gleichgewicht bewegen“. Schiffe seien umdirigiert worden, hinzu kämen Unsicherheiten bei Versicherungsprämien und den Transitgebühren für Fahrten durch die Straße von Hormus, erklärte Felbermayr. „Selbst im besten Fall werden uns diese Verwerfungen noch Monate beschäftigen.“ Für das Jahresende hält der Wirtschaftsweise einen Rohölpreis von rund 80 Dollar für plausibel. Die 60 Dollar, die es zu Jahresbeginn gab, seien dagegen „auf absehbare Zeit“ nicht realistisch.MM, DPA

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