Sabotageangriff auf Pipeline?

von Redaktion

Die Gunvor-Raffinierie in Ingolstadt wird durch die Transalpine Pipeline (TAL) mit Rohöl versorgt. © Frank Hoermann/SVEN SIMON, picture alliance

Ingolstadt/ Terzo di Tolmezzo – Inmitten der ohnehin angespannten Energielage wegen des Iran-Kriegs hat ein Pipeline-Ausfall in Italien auch Süddeutschland ins Schwitzen gebracht. Mehrere Raffinerien mussten auf Lagerbestände zurückgreifen. Der Ausfall wurde durch einen mutmaßlichen Anschlag auf das Stromnetz der „Transalpine Pipeline“ (TAL) verursacht.

Wie der „Business Insider“ (BI) und die „Welt am Sonntag“ berichteten, war unter anderem die Rohölversorgung der größten deutschen Raffinerie MiRO in der Nähe von Karlsruhe unterbrochen. „Wir haben bis zum 30. März, circa 2 Uhr, drei Tage lang kein Rohöl durch die TAL-Pipeline bekommen und aus unseren Rohölbeständen gelebt“, erklärte eine Sprecherin des Konzerns laut dem Business Insider. Allerdings seien durch die Lagerbestände „alle Produkte uneingeschränkt verfügbar“ gewesen.

Auch zwei Standorte der Bayernöl-Raffinerie in Neustadt und Vohburg an der Donau mussten den Lieferausfall drei Tage lang aus Lagerbeständen überbrücken. Die Transalpine Pipeline versorgt auch Raffinerien des österreichischen Mineralölkonzerns OMV und des tschechischen Unternehmens Unipetrol. Auch in Ingolstadt wird eine Raffinerie des Ölkonzerns Gunvor über die Pipeline versorgt.

In Tschechien kam es ebenfalls zu Produktionsausfällen, die womöglich auf die TAL-Pipeline zurückzuführen sind. Am 26. März hieß es in einer Mitteilung von Unipetrol, dass die Produktion der Raffinerie in Litvínov „ernsthaft gefährdet“ sei. Grund sei ein „Fall höherer Gewalt“ inmitten der „Eskalation der internationalen geopolitischen Lage“. Ob ein Bezug zur TAL-Pipeline besteht, wird jedoch nicht explizit gesagt.

Laut einer lokalen Polizeidienststelle der Berggemeinde Carnia, die der BI zitierte, befand sich der beschädigte Strommast in der nordost-italienischen Ortschaft Terzo di Tolmezzo. „Das Bundeskriminalamt steht zu diesem Vorfall mit den italienischen Behörden in Kontakt“, betonte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums laut dem BI.

Nun sei es „Gegenstand der weiteren Ermittlungen der italienischen Behörden“, ob es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelte, berichtete das Innenministerium weiter. Zwei voneinander unabhängige Quellen hätten laut dem Business Insider bestätigt, dass der Pipeline-Ausfall einem Sabotageakt geschuldet sei.

Das Management der Pipeline TAL geht nicht von einem Sabotageakt aus. „Jegliche Informationen über externe Aktionen Dritter gegen Teile der TAL-Anlage sind falsch“, erklärte das Unternehmen gestern. Die Stromleitung, die auch andere Anlagen versorgt, sei innerhalb von drei Tagen vom Betreiber TERNA repariert worden. Bezüglich der Ursachen der Schäden an der Infrastruktur warte TAL die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen des Betreibers und der Behörden ab.

Für die Ölversorgung gab es offenbar Entwarnung. MiRO wolle die Lagerbestände laut eigenen Angaben jetzt „schrittweise“ wieder aufbauen, berichtete der BI. Die Produkte des Raffinierieunternehmens decken statistisch etwa 45 Prozent des Primärenergiebedarfs in Baden-Württemberg, stellen also einen wichtigen Pfeiler in der Energieversorgung dar. Unklar ist, wie lange die Tanklager noch ausgereicht hätten.

Der Vorfall wirft auch die Frage auf: Was ist, wenn die Bestände einmal leer sind? Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, äußerte gegenüber dem „Spiegel“ Sorgen wegen möglicher Diesel- und Kerosin-Engpässe in Europa. Es könnte „im Monat Mai für einige europäische Staaten brenzlig werden“, wenn sich die globale Ölverwertung nicht bald erholt. „Viele Treibstofflager haben sich in den vergangenen Wochen geleert.“

Zu Deutschland sagte er, man habe „substanzielle Reserven“. Doch auch wenn die Situation aktuell noch keinen Krisenzustand erreicht hat: „Kein Staat ist immun“, betonte Birol.

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