Giesecke + Devrient: Konflikte bringen Auftragsplus

von Redaktion

München – Der Banknoten- und Sicherheits-Konzern Giesecke + Devrient profitiert weiter von den geopolitischen Spannungen auf der Welt. Nachdem das Münchner Unternehmen gerade erst Rekordaufträge in Höhe von 3,6 Milliarden Euro für das Jahr 2025 gemeldet hatte, kamen nun im ersten Quartal 2026 satte 1,6 Milliarden an neuen Bestellungen in die Bücher. Das sagte Konzernchef Ralf Wintergerst bei einer Veranstaltung des Club Wirtschaftspresse in München. „Nach einem starken Jahr 2025 sind wir auch für 2026 sehr optimistisch“, so Wintergerst.

Beim 1852 gegründeten Traditionsunternehmen Giesecke + Devrient arbeiten etwa 14.500 Menschen, gut ein Drittel davon in Deutschland. Es ist nicht nur Weltmarktführer bei Bargeld und arbeitet mit 145 Notenbanken zusammen, sondern beschäftigt sich auch immer mehr mit Bezahlsystemen im Internet und digitalen Währungen. Außerdem ist der Münchner Konzern stark im Bereich Sicherheitstechnik, Identifikationssysteme, digitale Verschlüsselung sowie im Schutz von Netzwerken. Dort arbeitet er zum Beispiel mit Behörden wie dem amerikanischen Verteidigungsministerium zusammen. Auch Techniken für Grenzkontrollen bietet Giesecke + Devrient an.

Angesichts der globalen Krisen und Konflikte waren zuletzt besonders die Angebote aus der Sicherheitstechnik gefragt, wie Wintergerst erklärte. Die Welt werde „gefühlt nicht unbedingt sicherer“, sagte der Manager, der den früheren Spezialisten für Bargeld breiter aufgestellt und seit 2016 von einem Restrukturierungsfall zu einem Wachstumsunternehmen gemacht hat. Gleichzeitig wachse der Bereich für digitale Transaktionen stark. Hier kaufte Giesecke + Devrient zuletzt viele innovative Firmen zu: etwa die auf Anwendung im Internet der Dinge spezialisierten Firmen Pod Group und Mecomo, die im Geschäft mit digitalen Identitäten tätigen US-Firmen Valid und XTec oder den deutschen Bank-Verlag, mit dem der Konzern seine Angebote mit digitalen Zahlsystemen erweitern will. Schon heute verifiziert das Unternehmen laut Wintergerst jede vierte Kreditkartenzahlung in Deutschland.

Weltweit macht Giesecke + Devrient derzeit vor allem in Europa und den USA, aber auch in Afrika und Asien gute Geschäfte. In China sei der Umsatz dagegen um zehn Prozent eingebrochen. „Das Land schottet bestimmte Technologiebereiche systematisch ab“, berichtete Wintergerst, der zugleich Chef des Digitalverbands Bitkom ist. „China ist technologisch außerdem sehr weit und braucht uns dort nicht mehr.“

Um den Vorsprung Chinas und der USA aufzuholen, müssten Deutschland und Europa bei der Entscheidungsfindung schneller werden, sagte Wintergerst. Dafür sei unter anderem eine Reform des deutschen Föderalismus sowie die Abschaffung der Pflicht zur Einstimmigkeit bei wichtigen EU-Entscheidungen nötig. Wintergerst bemängelte zudem, dass die Politik kaum mehr Ideen für die Zukunft entwickle: „Niemand traut sich mehr, eine große Vision aufzubauen, weil der politische Gegner sie sofort zerschießt.“ANDREAS HÖSS

Artikel 7 von 9