Reiche: Es gibt keinen Mangel

von Redaktion

Führt die Energiekrise zur Knappheit bei Treibstoffen? Über diese Frage sind sich weder die Experten noch die Regierungsparteien einig.

Auch Flugbenzin ist infolge des Iran-Kriegs teurer geworden (im Bild Betankung einer Maschine in München). Ob es Versorgungsengpässe geben wird, ist umstritten. © dpa

Berlin – Das Bundeswirtschaftsministerium hält die Versorgungslage mit Kerosin weiter für gesichert. Ein Ministeriumssprecher verwies am Montag in Berlin auf die von Deutschland gemeinsam mit anderen Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) freigegebenen strategischen Ölreserven, darunter auch Flugbenzin. Nicht alles der von Deutschland „nach und nach in den Markt“ gegebenen 2,6 Millionen Tonnen Öl werde „sofort abgenommen“, sagte er. Daher sei die Erkenntnis, dass „wir von einer sicheren Versorgung ausgehen können“.

Zudem habe der Erdölbevorratungsverband derzeit noch rund eine Million Tonnen Kerosin eingelagert, fuhr der Sprecher fort. Das sei „eine beträchtliche Menge, die sicherstellt“, dass im Bedarfsfall „aus diesen Vorräten dann weiter geschöpft werden könnte“.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hat Deutschland bislang 50.000 Tonnen Flugkraftstoff aus seinen Reserven freigegeben. Ministerin Katherina Reiche (CDU) hat mehrfach erklärt, aktuell gebe es keinen Kerosinmangel in der Bundesrepublik. Am Nachmittag tauschte sie sich mit Vertreterinnen und Vertretern von Luftfahrt-, Mineralöl-, Raffineriebranche und Industrieverbänden über die Lage aus. Derweil fordert die SPD einen Treibstoff-Gipfel, ein Spitzentreffen von Bund und Ländern zur Sicherstellung der Energieversorung in Deutschland. „Wir brauchen da jetzt wirklich alle an einem Tisch, und dann muss es da Konsequenzen und auch konkrete Maßnahmen geben“, verlangte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. Er pochte insbesondere auf eine Bestandsaufnahme für den mittelfristigen Umgang mit Energie und Schritte für eine ausreichende Widerstandsfähigkeit für die nächsten Monate und Jahre.

Reiche schlägt dagegen beruhigendere Töne an. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, sowohl mit Blick auf Benzin, Diesel als auch auf Kerosin, sagte Reiche. „Elf Raffinerien, wir beziehen Öl unter anderem über Pipelines, wir haben Partnerländer, Kasachstan, Norwegen, die Vereinigten Staaten, wo wir Erdöl beziehen.“ Das Bundeswirtschaftsministerium nehme die Sorgen der Luftfahrtbranche allerdings ernst.

Reiche warnte erneut den Koalitionspartner SPD sowie Grüne und Linke vor Einführung einer „Übergewinnsteuer“. „Wichtig ist, die Raffinerien jetzt nicht weiter zu belasten“, sagte sie. 50 Prozent des Kerosins stammten aus deutscher Produktion. „Wenn ich Beteiligte in Berlin immer wieder über eine ‚Übergewinnsteuer‘ sprechen höre, treffen wir damit jene 11 Raffinerien, die dafür sorgen, dass in Deutschland Kerosin, Benzin und Diesel vorhanden ist.“

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte kürzlich gewarnt, in Europa könnte bereits im Mai Flugzeugbenzin knapp werden. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnte vor „erheblichem Schaden“ für die deutsche und europäische Wirtschaft, sollte Kerosinmangel zu Einschränkungen im Flugverkehr führen. Der Iran-Krieg hat bereits einen sprunghaften Anstieg des Kerosinpreises ausgelöst, noch stärker als beim Rohöl. Tui-Vorstandschef Sebastian Ebel beschwichtigte Sorgen über mögliche Flugausfälle in der Urlaubssaison. „Wir haben sehr hohe Raffinerie-Kapazitäten, die auch im Januar nicht zurückgebaut wurden“, sagte Ebel dem Sender Welt TV. Tui habe zudem seine Ölkontrakte zu gut 90 Prozent vorher festgelegt, „sodass wir dort keine nennenswerten Auswirkungen für das kurzfristige Geschäft sehen“, fuhr er fort. „Was das langfristig bedeutet, das werden wir sehen.“ Für den Sommerurlaub mache er sich aber keine Sorgen „und damit brauchen sich unsere Kunden auch keine Sorgen zu machen“.

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