Apple bekommt neuen Chef

von Redaktion

Als Apple-Chef war Tim Cook immer auch Mittelpunkt einer eingeschworenen Fangemeinde. © dpa

Cupertino – Bei Apple endet eine Ära: Tim Cook, seit 15 Jahren im Chefsessel des US-Technologieriesen, zieht sich Anfang September von der Unternehmensspitze zurück. Den Posten hatte der zurückhaltend auftretende 65-Jährige vom visionären Apple-Mitgründer Steve Jobs übernommen und den iPhone-Hersteller auch durch den Fokus auf Abonnements und Online-Inhalte zu einem der wertvollsten Unternehmen der Geschichte gemacht. Doch zu seiner Bilanz gehört auch ein eklatanter Rückstand bei Künstlicher Intelligenz (KI).

Zu seinem Amtsantritt als Apple-Chef weist das Unternehmen auch dank des 2007 gestarteten iPhones bereits eine Marktkapitalisierung von 350 Milliarden Dollar auf. Doch unter Cook wird das Imperium mit dem angebissenen Apfel im Logo noch deutlich größer: Bis 2025 vervierfacht sich der jährliche Umsatz auf 416 Milliarden Dollar – und der Unternehmenswert erreicht die schwindelerregende Höhe von rund vier Billionen Dollar. Inzwischen ist Apple auf Platz drei der weltweiten Rangliste gerutscht (siehe Grafik).

Zwar wird das iPhone bereits von Steve Jobs auf den Markt gebracht. Doch es ist Cook, der eine weltweite Produktionskette etabliert und damit den Grundstein für diesen Aufstieg legt. Und obwohl er selbst kein Produkt auf den Markt bringt, das sich als derart umwälzend wie der digitale Musikplayer iPod oder das iPhone erweist, gelingen ihm mit der 2015 eingeführten smarten Uhr Apple Watch und den AirPod-Kopfhörern durchaus beachtliche Erfolge.

Als richtungsweisend entpuppt sich zudem die Neuausrichtung auf digitale Dienste: 2014 wird Apple Pay eingeführt, Apple Music und der Streamingdienst Apple TV+ folgen 2015 und 2019 in dieser gewinnträchtigen Sparte, zu der auch der App Store des Konzerns und die iCloud gehören. Im Geschäftsjahr 2025 machen diese Dienste fast ein Viertel des gesamten Umsatzes aus – bei einer deutlich höheren Marge, als sie die Hardwareprodukte des Technologieriesen haben.

Allerdings brockt sich Apple mit dem App Store wegen des Vorwurfs des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung auch Strafen von Regulierungsbehörden ein, vor allem in Europa. Außerdem wird der Fokus auf China – sowohl bei der Herstellung als auch beim Verkauf der Produkte – zum zweischneidigen Schwert: Handelsspannungen und die Zölle von US-Präsident Donald Trump zwingen den Konzern zu einer Ausweitung der Produktion nach Indien und Vietnam; in China wiederum schmälert die wachsende Konkurrenz insbesondere durch Huawei die Marktanteile.

Ternus steht für Kontinuität

John Ternus, der bisher für Hardware zuständig war, rückt nun an die Spitze vor. Die Entscheidung für den 50-jährigen Ternus ist auch eine strategische Weichenstellung in der Chefetage. Cook wurde von Jobs Ende der 90er-Jahre als Lieferketten-Experte an Bord geholt und galt als jemand, der für das reibungslose Funktionieren des Mega-Konzerns sorgte. Ternus ist ein Technologie-Spezialist, der tief in die Entwicklung verschiedener Apple-Geräte involviert war.

Die Berufung von Ternus – und nicht etwa von Software-Chef Craig Federighi – signalisiert, dass Apple auch in der anbrechenden KI-Ära seinen Technik-Wurzeln treu bleiben will. Mit Ternus entschied sich Ap-ple erneut für einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. Unter seiner Führung schaffte es Ap-ple in den vergangenen Jahren unter anderem, ultrakompakte Technik wie die AirPods-Ohrhörer zu bauen und mehr Rechenleistung in Geräte zu integrieren. Er sei ein „Kandidat der Kontinuität“, sagte Technologie-Analyst Patrick Moorhead. Die Apple-Aktie reagierte auf die Ankündigung mit einem hauchdünnen Minus von 0,5 Prozent im nachbörslichen Handel.DPA, AFP

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