Chinesische Autos auf Überholspur

von Redaktion

Shanghai – Chinesische Automarken gewinnen in Deutschland und Europa immer mehr an Boden. Im ersten Quartal waren sie für rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland verantwortlich, wie sich aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes ablesen lässt. Das ist zwar nur ein kleiner Anteil, doch er wächst schnell: Im Gesamtjahr 2025 waren es 2,4 Prozent, 2024 erst 1,7 Prozent.

Vor allem zwei Marken liegen aktuell vorne: BYD und MG Rowe, die im ersten Quartal zusammen deutlich mehr als die Hälfte der chinesischen Neuzulassungen in Deutschland ausmachen. Europäische Marken in chinesischer Hand wie Volvo oder Smart sind dabei nicht mitgezählt.

„Die machen unheimlich Druck“, sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein zentrales Element dabei ist der Autohandel, denn einige chinesischen Marken haben inzwischen relevante und schnell wachsende Händlernetze aufgebaut. 180 Standorte waren es vor einigen Wochen bei MR Roewe, rund 155 bei BYD und inzwischen könnten es schon mehr sein, sagt Reindl. „Die Marken haben erkannt, dass es für Erfolg in Deutschland ein Händlernetz braucht, zur Sichtbarkeit und für Beratungsmöglichkeiten vor Ort.“

Die Aussichten auf weiteres Wachstum sind für die stärkeren chinesischen Marken in Deutschland also durchaus gut. Reindl geht davon aus, dass sich nicht alle, die aktuell hierzulande antreten, etablieren werden. „Eher fünf bis sechs Marken – mit einem Marktanteil von insgesamt vielleicht acht bis zehn Prozent“, erwartet er. Der Deutsche Markt sei anspruchsvoll und wettbewerbsintensiv – und man dürfe die hohe Loyalität und Präferenz zugunsten heimischer Marken nicht unterschätzen. Einen Teil ihres aktuellen Wachstums verdankten die Marken zudem hohen Eigenzulassungen auf den Handel und Verkäufen an Autovermieter mithilfe hoher Preisnachlässe. Zu solchen Mitteln greifen Autohersteller, um den Absatz anzuschieben. Sie sind aber teuer.

In China selbst wächst der Druck auf die Autohersteller, Fahrzeuge im Ausland abzusetzen. Der heimische Markt bleibt hart umkämpft, Preisschlachten unter den Herstellern zehren an den Margen. Umso stärker boomt das Exportgeschäft, vor allem bei elektrifizierten Fahrzeugen. Im März verschifften chinesische Autobauer laut dem chinesischen Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridautos ins Ausland, ein Plus von knapp 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Unruhen im Nahen Osten könnten den Trend zusätzlich beschleunigen. „Die Verwerfungen an den Energiemärkten haben die Nachfrage nach Elektromobilität global befeuert, gerade auch in Europa und Deutschland“, meint Peter Fintl, Autoexperte bei der Technologieberatung Capgemini. „Der Ölpreis öffnet die Tür, das bessere Produkt hält sie offen.“ Gemeint ist aus seiner Sicht, dass die Modelle spürbar besser geworden sind und Käufer heute deutlich mehr Elektroauto fürs Geld bekommen als noch vor zwei Jahren.

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern will indes auch unter die chinesischen Hersteller gehen: Nach Jahren seiner chinafokussierten Strategie peilt VW mit seinen in der Volksrepublik entwickelten Modellen nun Märkte im Globalen Süden an. Volkswagen wolle von den Skaleneffekten und den „einzigartigen Kostenpositionen“ in China profitieren, sagte China-Chef Ralf Brandstätter. VW untersuche Märkte in Südostasien, Mexiko, Nordafrika und Südamerika, sagte er. Europa oder Nordamerika kämen nicht infrage, hieß es weiter. Volkswagen will dem Manager zufolge jene Märkte erschließen, in denen der Konzern noch nicht besonders stark vertreten sei, wie in Südostasien, und solche Märkte, die für chinesische Elektro- und Hybridautos sowie chinesische Vorschriften günstig seien.

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