Panzer werden nun in Serie gebaut

von Redaktion

Jan Reblin (Dräxlmeier v.l.), Ministerpräsident Markus Söder und KNDS-Deutschland-Chef Florian Hohenwarter eröffneten die neue Boxer-Produktionslinie. © Elias Jakob

Die Manufakturfertigung ist Geschichte. In sieben Stationen wird mit dem Boxer erstmals ein Panzer in München in Serie gebaut. © Elias Jakob

München – .Es war eine klassische Manufakturfertigung: Panzer für Panzer wurden im Münchner Nordwesten einzeln zusammengebaut. Einer nach dem anderen. Alle paar Wochen wurde einer fertig. So war es seit Jahrzehnten in der Allacher Panzerschmiede Krauss-Maffei, die zuletzt KMW hieß und sich nun KNDS Deutschland nennt. Hier wurde gestern eine spezielle Form der Zeitenwende eingeläutet. Denn in einer neuen Produktionslinie für den Radpanzer Boxer wird nun auf Serienproduktion umgestellt.

Kein Fließband. Aber es sieht aus wie in der Luftfahrtindustrie beim Flugzeugbau. In sieben Stationen hintereinander wird an den sieben Panzern gebaut. Und an allen Stationen wird gleichzeitig daran gearbeitet, die Fahrzeuge zu komplettieren. Wenn das erste fahrfertig ist, rücken die anderen auf. So werden jetzt zwei bis drei Panzer pro Woche fertig, gut zehn Stück im Monat. Kein Vergleich mit der Autobranche, wo Fahrzeuge im Minutentakt vom Band rollen, aber eine deutliche Beschleunigung, die dem steigenden Bedarf der Bundeswehr und anderer Armeen Rechnung trägt.

Doch es handelt sich auch um andere Fahrzeuge als in der Automobilindustrie. Allein die acht Räder bringen zusammen knapp 3000 Kilogramm auf die Waage. Das ganze Fahrzeug wiegt leer 25 Tonnen. Dennoch hatte der Hersteller angesichts des Nachholbedarfs der meisten Nato-Länder kaum eine andere Wahl, als industriell aufzurüsten. Von einer neuen Dimension sprach KNDS-Deutschland-Chef Florian Hohenwarter. „Wir mussten schneller werden und haben dazu alle Produktionsabläufe generell verändert“. Dazu hat KNDS sich auch einen neuen Partner an Bord geholt. Einen großen bayerischen Automobilzulieferer: Dräxlmeier aus Vilsbiburg. Immerhin ein globaler Konzern mit 60.000 Mitarbeitern. Auch dessen Chef Jan Reblin sprach von ausgeweiteten Kompetenzen im neuen Geschäftsfeld.

Aus dem Dräxlmeier-Werk in Landau an der Isar, wo bisher Komponenten für die Automobilindustrie gefertigt werden, kommen künftig die Missionsmodule, also Aufbauten für bestimmte Einsatzzwecke, die dann in München mit den Fahrwerken zu kompletten Panzern werden.

„Wir konnten Kompetenzen zusammenwerfen“, sagte Reblin, der wohl als erster reiner Autozulieferer nun ins Rüstungsgeschäft einsteigt. Und für KNDS ist die Kooperation eine Chance, die bisher sehr traditionellen Strukturen zu modernisieren. „Um die Soldaten bestmöglich auszurüsten“, wie Hohenwarter sagte.

Von einem positiven Signal sprach Ministerpräsident Markus Söder bei der Eröffnung der neuen Produktionslinie. Angesichts der globalen Herausforderungen, müsse man nun die eigene Stärke betonen. Und, so sagte er: „Wir können es.“ Er unterstrich die führende Rolle Bayerns in der deutschen Rüstungsindustrie.

Er betonte aber auch, dass die Produkte den Zweck haben, nie zum Einsatz zu kommen. Das gelinge aber nur, wenn potenzielle Gegner wissen, dass sie es mit höchster Qualität zu tun haben, was sie dazu bringen soll, diese gar nicht erst zu testen.

Diese höchste Qualität bescheinigte der Ministerpräsident dem Allacher Unternehmen und seinen Mitarbeitern, die „mit Stolz sagen können, sie sind dabei.“ Da habe sich die öffentliche Wahrnehmung verändert. Auch Söder ist sichtbar stolz auf die wachsende bayerische Rüstungsbranche mit ihren traditionellen Unternehmen und vielen Start-ups.

Über die Auftragslage muss sich KNDS trotz schnellerer Taktung keine Sorgen machen. Die neue Boxer-Fertigung ist nach den Worten von Hohenwarter mindestens bis Ende des Jahrzehnts ausgelastet. Derzeit haben sechs Armeen den Radpanzer bestellt und es könnten mehr werden.

Und auch beim Leopard ist kein Ende in Sicht. Ein deutsch-französisches Bodenkampfsystem wird wohl frühestens in den 2040er-Jahren aktuell. Bis dahin könnte der deutsche Kampfpanzer als Zwischenlösung noch mehrere Updates bekommen.

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