Plan für neue Kraftwerke

von Redaktion

Ausschreibungen ab September – Umlage für Stromkunden kommt

Die Kraftwerksstrategie war schon unter Robert Habeck (Grüne) in der Planung. © Bernd Weißbrod/dpa

Berlin – Die Kraftwerksstrategie ist auf der Zielgeraden: Laut einem Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium sollen schon ab September Gaskraftwerke zum Schutz vor Dunkelflauten ausgeschrieben werden. Verbraucher erwartet eine neue Umlage.

Was ist geplant?

Das Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) will im September den Bau von Kraftwerken mit einer Leistung von 9 Gigawatt ausschreiben. In dieser ersten Runde soll es um Anlagen gehen, die jederzeit – mit einer Stunde Vorlauf – für mindestens zehn Stunden ihre volle Leistung bringen können. Danach sollen 2027 und 2029 zwei technologieoffene Runden folgen. Deren Bedarf berechnet dann die Bundesnetzagentur.

Braucht es die Kraftwerke?

Ja. Die Bundesnetzagentur rechnet bis 2035 mit einem zusätzlichen Bedarf von rund 22 bis 36 Gigawatt steuerbarer Leistung. Anfangs werden das Gaskraftwerke sein. Für den Ökonomen Andreas Löschel macht es „augenblicklich Sinn, sich auf den Ausbau zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten zu fokussieren. Andere Optionen würden viel teurer.“ Die Situation ändere sich aber, „wenn mehr Flexibilitätsoptionen verfügbar sind, etwa Stromspeicher oder eine flexiblere Nachfrage“. Auch die Bundesnetzagentur macht klar: Je mehr Windkraft, PV-Anlagen, Stromnetze und Flexibilitäten entstehen, desto geringer wird der Bedarf an Gaskraftwerken. Deshalb steht das „Netzpaket“ in der Kritik, das Reiche parallel vorantreibt: Durch lokale Förderkürzungen will sie verhindern, dass beispielsweise in Regionen wie Bayern immer mehr PV-Anlagen entstehen, deren Strom keinen Abnehmer findet. Denn dafür erhalten die Betreiber eine Entschädigung. Kritiker warnen: Wird das Gesetz falsch gestaltet, blockiert es den Ausbau nur, steuert ihn aber nicht. Und das wäre teurer: In Bayern etwa könnten neue Windräder den Bedarf an Gaskraftwerken senken.

Kommen nur Gasturbinen?

Vermutlich erst mal ja: „De facto können nur Gaskraftwerke ihre volle Leistung für zehn Stunden liefern“, sagt Bastian Gierull, Deutschland-Chef des Strom-Anbieters Octopus Energy. „Kombiniert können mehrere Batteriespeicher das problemlos leisten, aber die meisten Einzelanlagen sind durch die geplante Ausschreibung ausgeschlossen.“ Erst in kommenden Runden können sich solche kombinierten Projekte und andere Anlagen mit geringeren Laufzeiten bewerben. Dafür soll ein Faktor-System kommen: Je geringer die Laufzeit, desto geringer wird die Kapazität bewertet. Durch den direkten Vergleich soll der günstigste Technologie-Mix gefunden werden. Octopus-Chef Gierull kritisiert, dass der technologieoffene Mechanismus nicht sofort angewandt wird: „Selbst bei längeren Dunkelflauten wäre ein Zusammenspiel aus Gaskraftwerken und Batteriespeichern wahrscheinlich kosteneffizienter: Die Gaskraftwerke liefern Grundlast, die Speicher glätten die Spitzen und reduzieren damit die benötigte Kapazität.“ Das habe sich in Großbritannien bewährt. „Effiziente Lösungen findet man aber nur mit einem freien Markt.“

Wird der Strom teurer?

Kommt drauf an. Die Reserve-Kapazitäten werden über eine Umlage auf den Strompreis finanziert, die ab 2031 eingeführt werden soll. Die Höhe ist noch unklar. Dazu kommen die Kosten für den erzeugten Strom: Gaskraftwerke sind meist die teuersten Erzeuger. Weil sie oft den Strompreis bestimmen, heben sie die Kosten für alle anderen Technologien, sobald sie laufen. Je öfter Batterien, Pumpspeicher oder flexible Verbraucher ihren Einsatz überflüssig machen, desto preiswerter der Strom.

MATTHIAS SCHNEIDER

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