Stiftung Warentest muss für Fehler haften

von Redaktion

Die Stiftung Warentest muss wegen eines falschen Testergebnisses möglicherweise Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen. Das Oberlandesgericht Frankfurt sprach dem Berliner Rauchmelder-Hersteller Pyrexx einen Ausgleich für seine Einbußen zu. Die genaue Höhe muss das Landgericht Frankfurt als Vorinstanz festlegen, das Unternehmen fordert 7,7 Millionen Euro. Die Stiftung Warentest, die den beanstandeten Test 2024 zurückgezogen hatte, erklärte, das von ihr beauftragte Prüfinstitut sei „ohne Rücksprache mit der Stiftung Warentest von der Norm abgewichen und hat das der Stiftung nicht offengelegt“.

Die Stiftung akzeptiere die – noch nicht rechtskräftige – Entscheidung des OLG, „dass wir für unsere Pflichtverletzung haften müssen“, sagte ein Sprecher der Institution mit Sitz in Berlin. Die geforderte Summe halte die Stiftung jedoch für „realitätsfern“.

Das Gericht in Frankfurt hielt der Stiftung in seinem Urteil vor, die bereits vor Veröffentlichung vorgebrachten Bedenken und Einwände der Herstellerfirma nicht angemessen berücksichtigt zu haben. Deren abweichende Prüfergebnisse hätten die Verantwortlichen „aufhorchen lassen müssen“, erklärte der Vorsitzende Richter Peter Bub. Warentest hätte mindestens beim eigenen Prüfinstitut nachfragen müssen, wie es zu der Abweichung komme. Hätte man nachgefragt, wäre herausgekommen, dass ein Test-Feuer nicht den einschlägigen DIN-Vorschriften entsprochen hat – das Feuer wurde für die Prüfung der Rauchmelder benötigt.

Pyrexx-Chef Sebastian Herre zeigte sich gestern erleichtert: „Wir haben als Mittelständler fünf Jahre lang für Aufklärung und Gerechtigkeit gekämpft – gegen eine Institution, der Millionen Deutsche vertrauen. Wir waren uns immer sicher: Bei dem Test muss etwas gehörig schiefgelaufen sein.“

Die Stiftung Warentest hatte die Rauchmelder Ende 2020 getestet. 13 der 17 Geräte wurden für gut befunden, eines habe versagt: „Pyrexx alarmiert zu spät“, war in der Ausgabe 1/2021 der Zeitschrift „Test“ zu lesen. Der „Pyrexx PX-1“ bekam von den Testern die vernichtende Note „mangelhaft“ (5,0).

Der Berliner Hersteller mit aktuell 250 Mitarbeitern sah sein Produkt zu Unrecht disqualifiziert und zweifelte das Ergebnis noch vor der Veröffentlichung an. Dass die Stiftung Warentest ihr „falsches Testurteil“ dennoch publizierte, kostete den Mittelständler nach eigenen Angaben „fast die Existenz“, so der Firmenchef. „Millionen Haushalte waren verunsichert, das Geschäft brach ein, jeder dritte Mitarbeiter verlor seinen Job.“DPA

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