Es wird wieder deutlich mehr gebaut. Die Projekte werden durch den Krieg aber teurer.
Wiesbaden – Das Bauhauptgewerbe hat im Februar wieder mehr Aufträge erhalten. Preisbereinigt legte der Auftragseingang im Vergleich zum Vormonat um 7,6 Prozent zu. Im Hochbau betrug das Plus 8,6 Prozent und im Tiefbau 6,7 Prozent. Über die drei Monate Dezember, Januar und Februar gesehen nahm der Auftragseingang um 4,6 Prozent ab. Das Minus fällt im Hochbau mit 9,2 Prozent besonders groß aus, im Tiefbau sind es nur minus 0,4 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2025 stieg der Auftragseingang dagegen deutlich an – um 9,8 Prozent. Im Umsatz spiegelt sich das jedoch nicht wider: Preisbereinigt setzte das Bauhauptgewerbe im Februar 2026 gut 13 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Beschäftigten in den Unternehmen der Branche stieg im gleichen Zeitraum leicht um 0,9 Prozent auf rund 537.000.
„Der Umsatzrückgang im Februar ist im Wesentlichen witterungsbedingt“, relativierte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. „Anders als im überdurchschnittlich milden Februar 2025 haben Frost und Niederschläge in diesem Jahr an vielen Standorten die Bautätigkeit gebremst. Ein solcher Rückgang zum Jahresauftakt ist daher kein Konjunktursignal, sondern ein Saisoneffekt.“
„Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Auftragseingänge den Trend aus der Zeit vor Beginn des Iran-Kriegs widerspiegeln“, warnte Bauindustrie-Chef Tim-Oliver Müller. „Die gestiegenen Öl- und Gaspreise, deren Konsequenzen auf die Baumaterialkosten, die leicht gestiegenen Zinsen sowie die Verunsicherung bei den Unternehmen haben sich noch nicht ausgewirkt. Dies kann aber noch kommen“, sagte Müller.
„Wir sehen fast überall Kostensteigerungen“, sagt der Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Thomas Reimann. Das reiche von Stahl über Beton bis hin zu Dämmstoffen und Folien, die auf Rohöl basierten. Auch das Aufstellen von Kranen sei teurer geworden wegen höherer Dieselkosten bei der Anfahrt. „Insgesamt liegen die Baukosten um drei bis fünf Prozent höher als vor dem Iran-Krieg.“ Aussicht auf schnelle Besserung gebe es nicht. „Bauen wird nicht billiger werden.“ Selbst wenn die Rohölpreise am Weltmarkt zurückgingen, dürften Lieferanten zunächst bei ihren Preisen bleiben.
Verbandspräsident Reimann appelliert an die Politik, Bauen billiger zu machen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Bauen in Deutschland sei wegen strenger Vorschriften zu teuer. So seien Stellplätze für Mehrfamilienhäuser vorgeschrieben, ein Parkplatz in einer Tiefgarage koste aber rund 50.000 Euro. Ein Grund sei, dass es nur wenige Deponien für Erdhaushub gebe.
Schweden dagegen komme mit weniger Baunormen aus und baue entsprechend billiger. „Und in Belgien und Frankreich sind Stärken von 15 bis 19 Zentimeter für Betondecken üblich, während wir in Deutschland 30 bis 40 Zentimeter verbauen.“ Bei einer dünneren Decke höre man spielende Kinder bei den Nachbarn vielleicht mehr. „Aber das sollte verkraftbar sein“, sagt Reimann.