Zaghafter Neustart nach dem Brexit

von Redaktion

Britische Hauptstadt London: Im Jahr 2020 hat das Land die EU verlassen. © IMAGO

Berlin – Gut sechs Jahre nach dem Brexit bemühen sich die Regierungen von Deutschland und Großbritannien um eine Wiederannäherung. Beim deutsch-britischen Wirtschaftsforum in Berlin wurde gestern eine engere Zusammenarbeit bei der Sicherung von seltenen Erden sowie im Bereich der Künstlichen Intelligenz angekündigt. „Meiner Ansicht nach ist es für unsere beiden Länder – ganz logisch betrachtet – genau der richtige Schritt, gemeinsam zu prüfen, wie wir unsere jeweiligen Ansätze aufeinander abstimmen können“, sagte der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle.

Wie ist der aktuelle Stand der Wirtschaftsbeziehungen?

„Die deutsch-britische Wiederannäherung ist aus wirtschaftlicher Perspektive überfällig“, schreibt Marc Lehnfeld von der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) in London. York-Alexander von Massenbach von der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) sagte: „Die Herausforderungen der Post-Brexit-Welt sind in der Praxis für unsere Mitglieder unverändert spürbar.“ Das Vereinigte Königreich war 2022 nach dem EU-Austritt 2020 zwischenzeitlich aus den Top Ten der deutschen Handelspartner gefallen. Mit einem Handelsvolumen von 118,4 Milliarden Euro lag UK 2025 immerhin wieder auf dem neunten Platz.

Welche Probleme belasten die Beziehungen?

Nach wie vor sind die durch den Brexit entstandenen Hürden beim Handel und für Unternehmen hoch. Dazu gehören Zollformalitäten mit Bürokratie und langsameren Lieferwegen – hier sollen bis Sommer Vereinfachungen beschlossen werden. Eine Rückkehr in die Zollunion schließt die britische Regierung bislang aus. Auch die fehlende Arbeitnehmerfreizügigkeit ist ein Problem für Unternehmen: „Grenzüberschreitend ist der Arbeitskräftemangel eine große Hürde. Hinsichtlich der Visa-Regulationen wäre mehr Flexibilität wünschenswert, insbesondere für Branchen mit Arbeitskräftemangel“, sagte von Massenbach.

Welche britischen Branchen stehen besonders im Fokus?

Die GTAI verweist auf den stark wachsenden britischen Energiesektor sowie die Verteidigungsindustrie. Die britische Regierung hatte das Ziel einer emissionsfreien Stromproduktion bis 2030 ausgegeben. „Dazu gehört der Ausbau der britischen Offshore-Windenergie als weltweit zweitgrößtem Markt nach China“, schreibt Lehnfeld. Im Verteidigungsbereich hatte Premierminister Keir Starmer die Erhöhung der Ausgaben ab 2027 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angekündigt. Rheinmetall produziert laut GTAI unter anderem 623 Transportpanzer für die britische Armee. Auch für die Produktion von Drohnen wechselten deutsche Start-ups auf die Insel.

Was sind die wichtigsten deutschen Exporte?

Mit Blick auf die Warenexporte ist das eindeutig das Auto. „Die Neuwagenregistrierungen in UK sind 2025 um 3,5 Prozent auf über zwei Millionen Pkw gestiegen“, sagte Lehnfeld. „Die deutschen Pkw-Exporte wiederum stiegen im gleichen Zeitraum um über 12 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro an. Deutschlands wichtigstes Exportgut auf die Insel macht nun wieder jeden fünften Euro der deutschen Ausfuhren nach UK aus.“

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