Die Bahn will ihre Züge füllen: Günstige Tickets sollen spontane Reisende anlocken. © dpa
Berlin – Die Deutsche Bahn bietet im Fernverkehr künftig auch Last-Minute-Tickets an. Samstags und sonntags können die Fahrten in Zügen der jeweils kommenden Woche gebucht werden. „Mit diesem komplett neuen Angebot für die Züge des Fernverkehrs bieten wir Sicherheit und bezahlbare Mobilität“, sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe, „wir möchten mit dieser Aktion auch neue Kundengruppen ansprechen“.
Die Tickets werden zu Preisen ab 6,99 Euro angeboten. Obendrauf kommt gegebenenfalls der Bahncard-Rabatt. Kinder fahren kostenlos mit. „Ab dem 9. Mai können unsere Kunden erstmals Last-Minute-Preise buchen“, kündigt der Vorstand an. Das Angebot gilt zunächst für ein halbes Jahr mit der Option auf Verlängerung.
Wie andere Sparpreise seien auch die Last-Minute-Preise kontingentierte Angebote. Damit werde sichergestellt, dass das Angebot nur auf Zügen buchbar ist, die auch noch freie Sitzplätze haben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Schnäppchen zu ergattern, ist Peterson zufolge daher abseits der Hauptreisezeiten besonders hoch. Mit diesem Angebot komme die Bahn auch einem bestehenden Wunsch der Reisenden nach. Allen, die länger im Voraus planen können, rät das Unternehmen zur frühen Buchung ihrer Tickets.
Ausgebaut wird auch das Angebot auf der Buchungsplattform Navigator. Bis zum Jahresende werden Tickets für Fahrten in und zwischen weiteren Ländern direkt buchbar. Reisende können dann zum Beispiel Fahrten zwischen Spanien und Portugal am heimischen PC kaufen.
Laut Peterson werden dann praktisch alle großen Länder in Europa an den einheitlichen Buchungsstandard angeschlossen. In den jeweiligen Angeboten sollen auch länderspezifische Sparpreise oder Abos für Buchungen aus Deutschland abrufbar sein.
Das Interesse an grenzüberschreitenden Verbindungen ist bei den Fahrgästen vorhanden. Die alte Maxime, dass die Bahn dem Flugverkehr nur bei Fahrzeiten von unter vier Stunden Kunden abjagen kann, stimmt nicht mehr. Die Bereitschaft, lange im Zug zu sitzen, sei deutlich nach oben gegangen, sagt Peterson. Das zeigt sich beispielsweise auf den Fahrten zwischen Berlin und Paris. Die Auslastung der täglich verkehrenden Linie ist so hoch, dass die Bahn mit der französischen SNCF über einen zweiten Zug am Tag spricht.
Bis es von Deutschland aus nach London geht, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Schwierig ist der Direktverkehr mit der Insel auch, weil Großbritannien kein EU-Land mehr ist. Das bedeutet, die Einreisekontrollen müssen am Startbahnhof stattfinden. Es wird ein eigener Terminal dafür benötigt. Bisher standen als mögliche Startstädte Frankfurt und Köln zur Diskussion. Peterson hält Köln für den geeigneteren Startpunkt. Das dortige Gleis 1 sei für den Umbau für eine Grenzabfertigung räumlich und mit dem Gleis auch praktisch gut geeignet.
Fest steht schon eine andere Auslandsverbindung. So nimmt die Bahn zusammen mit der italienischen Trenitalia 2027 den Linienverkehr zwischen München und Mailand auf. Später soll es nach Rom und noch später bis nach Neapel weitergehen. Auch in Richtung Skandinavien soll es Verbindungen geben.
Von einem europäischen Schienennetz für den grenzüberschreitenden Verkehr ist der Kontinent Peterson zufolge noch weit entfernt. Nach wie vor gebe es unterschiedliche technische Voraussetzungen in den einzelnen Ländern. So gebe es etwa verschiedene Spurweiten oder Länderversionen des eigentlich einheitlichen europäischen Zugsteuerungssystem ETCS.