Unicredit sichert Kapital für Übernahme

von Redaktion

Die Commerzbank kämpft um ihre Eigenständigkeit: Dabei sind sich Belegschaft und Vorstand einig. © Arne Dedert, dpa

Frankfurt – Seit mehr als eineinhalb Jahren kämpft die Commerzbank um ihre Eigenständigkeit. Doch die Mailänder Großbank Unicredit zeigt sich unbeeindruckt: Sie treibt ihre Pläne zur Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns trotz vehementer Widerstände aus Deutschland voran.

Nun stimmten die Unicredit-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung der notwendigen Kapitalerhöhung zu, wie die Bank mitteilte. Die Anteilseigner genehmigten die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien im Nominalwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro bis zum 31. Dezember 2027. Die Papiere will die Unicredit im Tausch für Commerzbank-Aktien anbieten.

Auf dieser Basis kann die italienische Großbank – zu der auch die Münchner HypoVereinsbank gehört – ihr Mitte März angekündigtes Angebot zur Übernahme sämtlicher Commerzbank-Anteile offiziell machen. Schon am heutigen Dienstag soll das nach Worten von Unicredit-Chef Andrea Orcel geschehen. Am Freitag will dann die Commerzbank neue Finanzziele vorlegen, die ihre Aktionäre von einem eigenständigen Kurs überzeugen sollen – möglicherweise inklusive eines weiteren Stellenabbaus.

Mitte März hatte die Unicredit angekündigt, sie wolle je Commerzbank-Papier 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertete die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Allerdings notierten Commerzbank-Aktien zuletzt deutlich höher, um die 35 Euro. Orcel hat sich offen gehalten, die Offerte nachzubessern.

Mit dem freiwilligen Tauschangebot will Orcel sich weitere Commerzbank-Anteile sichern und die Schwelle von 30 Prozent überschreiten, ohne ein – wahrscheinlich teureres – Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Der Manager zeigte sich zuletzt siegessicher: „Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“, sagte Orcel jüngst der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ich bin zuversichtlich, dass es am Ende so kommen wird, weil die industrielle Logik klar ist und man am Ende des Tages nicht gegen die Schwerkraft ankommt.“

Eine unglückliche Rolle im Übernahmepoker spielt der deutsche Staat. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte und seither an ihr beteiligt ist, beschloss im September 2024, 4,49 Prozent seiner Commerzbank-Aktien zu verkaufen. Der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) begründete den Schritt wenig später damit, die Commerzbank sei „ein starkes Institut“, eine Staatsbeteiligung „auf Dauer nicht nötig“.

Was die damalige Regierung offensichtlich unterschätzt hatte: Wie rasant und konsequent der Investmentbanker Orcel die Beteiligung an der Commerzbank ausbauen würde. Nach jüngsten Angaben kontrollieren die Italiener direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Für weitere 2,65 Prozent hat sich die Unicredit den Kaufpreis der Papiere gesichert, aber nicht das Kaufrecht selbst. Der Bund hält noch gut 12 Prozent der Anteile an dem Dax-Konzern und lässt zwei Vertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat die Geschicke der Bank kontrollieren.

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