Die Commerzbank wehrt sich bisher mit Händen und Füßen gegen eine Übernahme. © dpa
Frankfurt/Mailand – Genau 0,485 Unicredit-Aktien pro Commerzbank-Papier: Das war das Übernahme-Angebot, das die Italiener am Dienstag für die Commerzbank vorgelegt hatten. Nicht akzeptabel, war man sich in Deutschland recht schnell einig – immerhin liegt es fast zehn Prozent unter dem Börsenwert des deutschen Geldhauses. Im Falle einer Übernahme sollten die Commerzbank-Aktionäre wenigstens „einen anständigen Preis bekommen“, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp auf einer Veranstaltung des „Manager Magazins“. „Und das ist im Moment nicht der Fall.“
Mit dem Übernahme-Angebot geht der Commerzbank-Krimi in die nächste Runde. Als der Bund im September 2024 naiv einen Teil seiner Commerzbank-Aktien verscherbelte und die Unicredit, die zuvor ihre Beteiligung sukzessive aufgebaut hatte, sich die Anteile schnappte, ist klar: die Italiener wollen den Konkurrenten schlucken. Die Frankfurter wehren sich seither vehement. Mit Tricks wie Aktienrückkäufen pumpte Orlopp den Börsenwert der Commerzbank in wenigen Monaten auf das Dreifache auf, um der Unicredit eine feindliche Übernahme so schwer wie möglich zu machen. Unicredit-Chef Andrea Orcel reagierte zuletzt mit Videos in Sozialen Medien. Dort suggerierte die Unicredit, die Commerzbank sei „vernachlässigt“, „unsicher“ und alleine kaum zukunftsfähig – was wohl auch den Kaufpreis drücken sollte. Die Finanzaufsicht Bafin verbot die „reißerischen und unsachlichen“ Videos wegen Anlegertäuschung und drohte mit Bußgeld.
Aus der Übernahme-Schlacht ist längst ein Stellungskrieg geworden. Dabei hat die Commerzbank bisher auch den Bund im Rücken. Er hat zwar mit seinem Anteilsverkauf im September 2024 den Einstieg der Unicredit mitermöglicht. Als die Ambitionen der Unicredit klar wurden, gab der Bund aber keine weiteren Anteile ab und hält heute noch 12,7 Prozent der Commerzbank-Aktien. Er will die Commerzbank schon mit Blick auf den Bankenstandort Frankfurt als deutsches Institut erhalten – zumal bei einer Fusion wohl auch tausende Arbeitsplätze in Deutschland wackeln würden, fürchten Gewerkschafter. Nun soll man in Berlin über eine Aufstockung der Anteile nachdenken, um die Unicredit abzuwehren, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ von Insidern erfahren haben will. Dem „Handelsblatt“ gegenüber dementierten öffentliche Stellen allerdings solche Pläne.
So blicken alle gebannt auf Unicredit-Chef Orcel. Doch der scheint es nicht allzu eilig zu haben. Bei der Commerzbank werde die Erkenntnis schon noch reifen, dass eine mittelgroße deutsche Bank im globalen Wettbewerb gegen die US-Branchenriesen allein weit weniger Chancen habe als eine europäische Großbank im Verbund mit der Unicredit, sagte der ausgebuffte Investmentbanker bereits in Interviews.
Auch finanziell könnte die Unicredit nachlegen, nachdem das aktuelle Angebot unter dem Börsenpreis der Commerzbank rangiert. „Unicredit hat bereits deutlich gemacht, dass sie grundsätzlich offen dafür ist, die Angebotskonditionen potenziell zu überprüfen, sollte die Commerzbank in einen konstruktiven, detaillierten Dialog eintreten, der verschiedene Bedenken ausräumen könnte“, sagte Orcel dem Finanzmagazin „Börse Online“. Dafür brauche es gute Gespräche, die man in Frankfurt bisher verweigert habe. Auch den Jobängsten trat Orcel etwas entgegen. Die Einsparungen in Deutschland würden „deutlich geringer ausfallen als öffentlich spekuliert“, sagte er. Für seine Verhältnisse klingt das fast wie eine Charmeoffensive.