Kerosinmangel: Lufthansa im Vorteil

von Redaktion

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht in der Krise auch Chancen. © Hildenbrand/dpa

Frankfurt – Trotz drohender Lücken in der Versorgung mit Kerosin blickt der Lufthansa-Konzern optimistisch auf den Sommer. Vorstandschef Carsten Spohr setzt auf höhere Ticketpreise und eine stärkere Nachfrage auf Flügen nach Asien und Afrika, bremst aber beim Ausbau des gesamten Flugangebots. Insgesamt werde der Konzern die für 2026 gesetzten Ziele erreichen und gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die Versorgung mit Treibstoff sei sechs Wochen im Voraus bis Mitte Juni gesichert, erklärte Spohr. Auch für danach geht er davon aus, dass Versorgungslücken geschlossen werden könnten, nachdem auch die Politik den Ernst der Lage erkannt habe. An keinem der Gruppen-Drehkreuze sei derzeit mit Einschränkungen zu rechnen.

Rund ein Viertel des in Europa benötigten Kerosins sei bis zur Sperrung der Straße von Hormus vom Persischen Golf gekommen, führte der Lufthansa-Chef aus. Derzeit werde von diesem Anteil etwa die Hälfte mit Ersatzlieferungen aus den USA, Nigeria und anderen Ländern ausgeglichen, während die andere Hälfte aus kommerziellen Reserven stamme. Die nationalen Lager der EU-Staaten würden bislang nicht beansprucht.

Spohr forderte die EU auf, den in den USA üblichen Treibstoff der Sorte Jet Fuel A zuzulassen. In der EU ist bislang nur Jet Fuel A1 erlaubt, der einen niedrigeren Gefrierpunkt hat. Das spiele im Sommer aber keine Rolle, meinte Spohr. Die Zulassung könne die Situation ebenso verbessern wie erweiterte Landegenehmigungen für Jets, die das Kerosin für den Rückflug bereits an Bord haben. Auf der Langstrecke nach Asien und Afrika prüft die Lufthansa Möglichkeiten zu Zwischenlandungen für den Fall, dass am Zielflughafen nicht nachgetankt werden kann.

Streiks sowie die deutlich gestiegenen Kerosinkosten haben die Gewinnerwartungen des MDax-Konzerns dennoch gedämpft. Das Ergebnis werde „vermutlich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht“, sagte Finanzchef Till Streichert.

Allein die Kerosinrechnung soll im laufenden Jahr mit 8,9 Milliarden Euro 1,7 Milliarden höher ausfallen als zunächst geplant. Gleichwohl halte man an der Prognose fest, im Tagesgeschäft den Vorjahreswert von knapp zwei Milliarden Euro deutlich um mindestens 10 Prozent zu übertreffen. Die aktuellen Umstände hätten den bei der Prognose eingebauten Puffer allerdings weitgehend aufgebraucht, räumte der Finanzchef ein.

Weiterhin besteht das Risiko erneuter Streiks des fliegenden Personals bei der Kernmarke Lufthansa, weil die Tarifkonflikte mit Piloten und Flugbegleitern bislang nicht ausgeräumt sind. Bis einschließlich April sind laut Streichert durch die Arbeitskämpfe an die 200 Millionen Euro Schaden entstanden.

Die zusätzlichen Kostenbelastungen will der Konzern durch höhere Einnahmen, verschärfte Einsparungen und ein effektiveres Streckennetz abfedern. Die Passagier-Kapazität soll nur noch um höchstens zwei statt bislang um vier Prozent wachsen. Im Europa-Verkehr werden unrentable Strecken auch durch die Schließung der Regionaltochter Cityline gestrichen.

Im ersten Quartal hat der Lufthansa-Konzern von den kriegsbedingten Problemen der Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad profitiert, die als Konkurrenz Richtung Asien und Afrika ausfielen. So stieg der Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Der saisontypische bereinigte operative Verlust ging um 15 Prozent auf 612 Millionen Euro zurück.DPA

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