Helsing soll 1,2 Milliarden bekommen

von Redaktion

Präsentation des Modells für den unbemannten Kampfjet CA-1. V.l.: Ministerpräsident Markus Söder mit den Helsing-Gründern Wolfgang Gammel und Gundbert Scherf. © IMAGO

München – Das Rüstungsunternehmen Helsing soll schon bald weitere 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet knapp über eine Milliarde Euro) bei Investoren einsammeln. Das berichtet die „Financial Times“ und bezieht sich auf mit den Verhandlungen betraute Personen. Bei den Geldgebern soll es sich um die nordamerikanischen Beteiligungsfirmen Dragoneer und Lightspeed Venture handeln. Dragoneer hat unter anderem früh in den Streamingdienst Spotify, den Fahrdienst Uber, die Plattform Airbnb sowie den ChatGPT-Entwickler OpenAI investiert. Lightspeed gilt als Pionier im Bereich Künstliche Intelligenz und finanzierte etwa Anthropic und Elon Musks xAI mit seinem Chatbot Grok.

Helsing wurde 2021 in München gegründet und entwickelt KI für Panzer, U-Boote und Flugzeuge. Die Firma wurde 2023 vom Bund beauftragt, den Eurofighter und den geplanten Zukunftskampfjet FCAS mit KI auszustatten. Helsing baut zudem Drohnen, die zum Beispiel in der Ukraine im Einsatz sind, und hat in diesem Bereich kürzlich ebenfalls einen Großauftrag der Bundeswehr erhalten. Die Münchner entwickeln auch einen unbemannten Kampfjet. Vor einem Jahr hat Helsing den schwäbischen Flugzeughersteller Grob aus Tussenhausen gekauft, im März erwarb das Start-up ein 25 Hektar großes Grundstück in Hallbergmoos für den Aufbau einer Großproduktion. In England plant Helsing eine Fabrik für KI-gesteuerte Unterwasserabwehr gegen russische U-Boote.

Schon 2025 war Helsing laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY das Start-up mit der größten Kapitalspritze in Deutschland. 600 Millionen Euro sammelte Helsing in einer Finanzierungsrunde im Juni ein. Das Geld kam unter anderem vom Spotify-Mitgründer Daniel Ek. Sollten die Münchner nun weitere 1,2 Milliarden bekommen, dürfte der Unternehmenswert auf 18 Milliarden Dollar steigen. Zum Vergleich: 2025 war laut dem Branchenverband Bitkom das Münchner Softwarehaus Celonis mit 13 Milliarden Dollar Wert das wertvollste Einhorn in Deutschland. So nennt man Start-ups mit einem Wert von über eine Million Dollar.

Unter den führenden Jungunternehmen in Deutschland finden sich viele weitere bayerische Namen, beispielsweise der Online-Dienstleister Personio, die Flixbus-Mutter Flix, der Gilchinger Drohnen-Hersteller Quantum Systems oder der in München gegründete Neobroker Trade Republic, der nun aber in Berlin sitzt. Allgemein dominieren die beiden Städte die Start-up-Szene. 2025 bekamen Berliner Firmen laut EY 2,7 Milliarden Euro frisches Kapital, Münchner 2,5 Milliarden. Nimmt man Start-ups aus dem Rest Bayerns dazu, lag der Freistaat mit 3,3 Milliarden aber weit vor dem Land Berlin. Auf Platz 3 folgt bereits weit abgeschlagen Baden-Württemberg mit 0,9 Milliarden.

Was die dynamischsten Branchen betrifft, die am meisten Geld einsammeln, dominiert nach wie vor der Bereich Software, auf den 2025 fast 2,7 Milliarden der insgesamt 8,4 in Start-ups investierten Milliarden entfielen. Allerdings fließt immer mehr Geld in Rüstungsfirmen. EY spricht zwar nur von etwa 450 Millionen Euro Risikokapital in der Verteidigungsbranche. Allein die beiden Münchner Drohnenfirmen Helsing und Quantum Systems schlossen in dieser Zeit aber Finanzierungsrunden über zusammen fast eine Milliarde Euro ab – 600 Millionen Helsing, 340 Millionen Quantum Systems. Mit der nun möglichen Milliardenrunde bei Helsing dürfte Rüstung und Verteidigung noch mehr in den Fokus von Kapitalgebern rücken.

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