Diese Kreise hängen stark am Export

von Redaktion

Garmisch-Partenkirchen ist dagegen weit mehr auf Touristen als auf den Weltmarkt angewiesen. © Imago

Ingolstadt hat mit weitem Abstand die größte Exportabhängigkeit in Bayern. © Smarterpix

München – Bayern ist Exportland: Etwa 1,4 Millionen Jobs im Freistaat hängen direkt oder indirekt von der Exportwirtschaft ab, fast jeder fünfte in Bayern erwirtschaftete Euro wird dort verdient – nur in Baden-Württemberg ist die Quote minimal höher. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Prognos-Studie im Auftrag der IHK für München und Oberbayern. Doch Exportstärke habe in Zeiten wachsender weltweiter Unsicherheit auch ihre Kehrseite, warnt Manfred Gößl, Chef der IHK für München und Oberbayern. Bayern profitiere zwar stark vom Export. „Gleichzeitig gilt: Wo Regionen besonders exportabhängig sind, sind sie auch besonders verwundbar.“

Ingolstadt hat die größte Abhängigkeit

Doch welche bayerischen Landkreise sind besonders exportabhängig? Und welche nicht? Besonders wenig auf Exporte angewiesen ist der Tourismus-Magnet Garmisch-Partenkirchen. Dort haben nur 3000 Arbeitsplätze und sieben Prozent der Wertschöpfung direkt oder indirekt mit der Außenwirtschaft zu tun, der Tourismus spielt hier eine weit größere Rolle. Ganz anders in Ingolstadt mit seinem Audi-Werk und den vielen dort angesiedelten Zulieferern. Ganze 47 Prozent der Wertschöpfung haben dort mit den Ausfuhren zu tun, die fast durchweg aus dem Autobau kommen, 20.500 Jobs hängen damit vom Auf und Ab des Weltmarktes ab, auf dem dank China-Konkurrenz und Trump-Zöllen längst ein rauerer Wind weht.

Doch auch viele weitere Kreise hängen stark am Tropf der Weltwirtschaft. Zum Beispiel Dingolfing mit seinem BMW-Werk (38 Prozent Exportabhängigkeit), die Maschinenbau-Hochburg Schweinfurt (35 Prozent) oder Altötting samt Wacker und dem Chemiedreieck rund um Burghausen (26 Prozent). Prognos definiert sie zusammen mit den Kreisen Main-Spessart (26 Prozent), Regensburg (23 Prozent) und Unterallgäu (23 Prozent) allesamt als industrielle Zentren. In den meisten dieser Zentren dominiert der Autobau. Er ist mit 47 Milliarden Euro Exportvolumen immer noch der stärkste Exportzweig in Bayern, verliert aber ähnlich wie die Chemie seit zehn Jahren stetig an Bedeutung, während Maschinenbau und Elektronik zulegen.

Gerade spezialisierte Autoregionen wie Ingolstadt oder Dingolfing seien deshalb einem „überdurchschnittlichen Anpassungsdruck“ ausgesetzt, so die Studienautoren. Dort sorge „die Umstellung auf elektrische Antriebe, softwarebasierte Fahrzeugarchitekturen und neue Fertigungstechnologie“ häufig für Verwerfungen. Die Zukunftsaussichten dieser Industriezentren seien zwar nicht schlecht, sondern immer noch „solide bis gut“. Sie seien aber „unmittelbar an das Gelingen der industriellen Transformation geknüpft“.

Besserer Branchenmix senkt die Risiken

Besser gerüstet seien gut diversifizierte Industrieregionen wie Landsberg am Lech, Pfaffenhofen an der Ilm oder Landshut sowie Regionen mit unterschiedlichen Dienstleistern, die der Industrie zuarbeiten. Hier nennt Prognos etwa die Kreise Freising, Starnberg und Erlangen – letzterer mit einem hohen Exportanteil von 33 Prozent. Dort seien Risiken aber besser auf einen Branchenmix verteilt, weshalb sie ein „robustes Fundament“ hätten, so die Forscher. Dennoch müssten auch sie gegen die Konkurrenz weltweit bestehen. „Die Unternehmen brauchen bessere Standortbedingungen“, sagt IHK-Chef Gößl deshalb. Er fordert deshalb unter anderem die Senkung der Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau und mehr Tempo bei Genehmigungen. Zudem müssten sich Staat und Firmen nach weiteren Absatzmärkten umsehen, etwa in Indien, dem Mercosur-Raum oder bei den ASEAN-Staaten.

Auch Bund, Land und Kommunen leben laut der Studie übrigens gut von Bayerns Exportwirtschaft. Gut 90 Milliarden Euro spült sie pro Jahr über Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer in ihre Kassen. Auch sie dürften also mit gemischten Gefühlen auf die Exportabhängigkeit in manchen Regionen blicken.

Artikel 10 von 11