Mitarbeiter und Lieferanten von Tegut in Sorge

von Redaktion

Fulda – Die geplante Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe sorgt bei Beschäftigten und Bauern für Unsicherheit. Der Schweizer Handelskonzern Migros hatte im März angekündigt, sich ganz aus Deutschland zurückzuziehen und Tegut verkaufen zu wollen. Rund 200 der etwa 300 Supermärkte der Kette will der Lebensmitteleinzelhändler Edeka übernehmen. Weitere 40 Märkte sollen an die Rewe-Gruppe gehen, und zuletzt war bekannt geworden, dass die Smart-Store-Kette Tante Enso bis zu 36 Tegut-Supermärkte übernehmen will. Alle Transaktionen stehen noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt. Falls es dazu käme, würde die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel weiter voranschreiten.

Einen Abbau der Tarifbindung für die rund 7500 Tegut-Beschäftigten fürchtet die Gewerkschaft Verdi. Bislang seien zwei Drittel der Tegut-Märkte im Eigenbetrieb geführt worden, das restliche Drittel aber sei in der Hand privater Kaufleute gewesen. Dieser Trend dürfte sich mit einem Übergang an Edeka und Rewe beschleunigen, erwartet der Landesbezirksfachbereichsleiter Einzelhandel von Verdi Hessen, Marcel Schäuble. Die Beschäftigten solcher selbstständigen Kaufleute würden erfahrungsgemäß nicht mehr nach Tarif bezahlt. Auch wie viele der Mitarbeiter tatsächlich beim Übergang an neue Eigentümer bleiben dürfen und wollen, sei offen, sagt Schäuble.

Aber nicht nur für die Beschäftigten ist der Verkauf mit Unsicherheiten verbunden – auch Bauern, vor allem in Hessen, wo Tegut am stärksten vertreten ist, sind besorgt. Sie fürchten, dass sich im Zuge des Verkaufs die Ausrichtung verändern könnte. Tegut hatte einen Fokus auf Bio- und Premium-Produkten.

Dass Tegut durch den Verkauf vom Markt verschwinden soll und damit der ohnehin durch die „Großen Vier“ (Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe mit Lidl sowie Aldi) dominierte Lebensmitteleinzelhandel einen weiteren Spieler verliert, findet Sebastian Schramm vom Kreisbauernverbad „sehr schade“ – zumal nicht davon auszugehen sei, dass die potenziellen Übernehmer der Filialen die Tegut-Strategie, stark auf Bioprodukte und Regionalität zu setzen, eins zu eins weiterführen.

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