Die bayerische Wirtschaft ist vom Export abhängig. Arbeitgeber erwarten dieses Jahr bestenfalls ein „Mini-Wachstum“. © Jerry Andre/Imago
München – Düstere Mienen bei den bayerischen Industriearbeitgebern: „Die leichten konjunkturellen Hoffnungen vom Jahresanfang wurden durch den Iran-Krieg und seine Folgen wieder zunichtegemacht“, berichtete Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) gestern in München. Der Verband sieht zwar den konjunkturellen Tiefpunkt erreicht, nachhaltige Besserung sei aber auch nicht in Sicht.
Hauptursache der einmal mehr gebremsten Erwartungen ist demnach der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran. Folge für die Unternehmen sind steigende Kosten und vermehrte Unsicherheit. „Zum einen liegt das an den massiv gestiegenen Energiepreisen für alle Branchen“, sagte Hatz. „Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten schnell entspannt, wird es noch einige Zeit dauern, bis die Handelsströme wieder reibungslos funktionieren und die Folgen überwunden sind.“
Der sogenannte „Weißbierbierindex“ der vbw liegt aktuell bei 87 von 200 Punkten. 100 Punkte entsprechen dem Normalniveau. Der Index basiert auf Umfragen unter Unternehmern, die über Lage und Prognose beim Wachstum und der Beschäftigung berichten. 2025 war die bayerische Wirtschaft um 0,5 Prozent gewachsen, mehr als der Bund (0,2). Doch Hatz warnt: „Angesichts der verschlechterten Perspektiven wird sich das moderate Wachstum in diesem Jahr nicht fortsetzen.“ Das bayerische Bruttoinlandsprodukt liege immer noch 0,8 Prozent unter dem Niveau von 2022, die Industriewertschöpfung sei 2025 um 0,4 Prozent geschrumpft.
Vor allem die Transportkosten seien durch die Diesel-Preise gestiegen. Noch dramatischer sei die Lage in Asien, wo die Wirtschaft noch mehr auf das nun fehlende Öl aus Nahost angewiesen ist. Hatz berichtet ein Beispiel aus seiner eigenen Motorenfabrik in Niederbayern: „Teilweise können die Vorprodukte in Indien gar nicht mehr auf die Schiffe geladen werden, weil der Sprit fehlt.“ Dazu kommen die höheren Preise für industrielle Grundstoffe aus der Golfregion, darunter Naphta, Methanol, Stickstoffdünger, Schwefel oder Aluminium. „Der Konflikt hat sich tief in unsere Wertschöpfungsketten hineingefressen“, erklärt der Verbands-Chef.
Die vbw erwartet deshalb „bestenfalls ein Miniwachstum“ für das laufende Jahr – und fordert dringend Reformen: „Wenn in den nächsten drei Monaten nichts passiert, dann – so fürchte ich – wird es die schwarz-rote Koalition auch danach nicht mehr schaffen. Und ob es sie dann noch geben wird, weiß ich nicht.“ Hatz rügt die Bundesregierung: „Reformwille ist ja duchraus erkennbar, aber bei der Umsetzung hakt es gewaltig“, so der Unternehmer, „entweder weil nicht gehandelt wird oder dort, wo gehandelt wird, nicht richtig gehandelt wird“. Hatz selbst ist nach eigener Aussage kein Fundamental-Oppositioneller, habe die Koalition selbst gewählt.
Konkret fordert die vbw eine Entlastung bei Steuern, Energiekosten und Sozialversicherungssystemen: So kritisiert Hatz die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und der Versicherungspflichtgrenze bei der gesetzlichen Krankenversicherung: Das „führt zu einer erheblichen Mehrbelastung von Arbeitgebern und Versicherten“. Um das System zu entlasten, sollten vielmehr die Kosten für Bezieher von Grundsicherung aus dem Steuerhaushalt finanziert werden, nicht durch die Beitragszahler.MAS