Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer warnt vor erheblichen Gefahren durch das KI-Modell „Mythos“. © Martin Schutt/dpa
Berlin – Deutsche Verfassungsschützer und Sicherheitspolitiker warnen vor dem KI-Modell Mythos des US-Unternehmens Anthropic. „Die Risiken sind erheblich“, sagte der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer dem „Handelsblatt“. „Mythos senkt die Hürde für offensive Cyberoperationen, weil es Schwachstellen schnell finden und teils ausnutzen kann.“ Für Europa sei das „sicherheitspolitisch relevant, weil Banken, Börsen, Zahlungsverkehr und kritische Infrastrukturen hoch vernetzt sind“. Japan habe bereits eine Finanz-Cyber-Taskforce wegen der mit Mythos verbundenen Gefahren eingerichtet, berichtete Kramer. „Dort wird ausdrücklich gewarnt, dass Angriffe schnell auf Märkte und Vertrauen übergreifen können.“ Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), zeigte sich ebenfalls alarmiert. „Wir reden hier nicht über ein theoretisches Risiko: Ein KI-Modell, das unentdeckte Sicherheitslücken autonom aufspürt, verändert die Bedrohungslage fundamental.“
Solche Systeme überforderten klassische Abwehrmechanismen. Deshalb müsse Europa jetzt selbst vorankommen – mit eigenen KI-Kapazitäten im Bereich Cybersicherheit, Forschungsinvestitionen und einer klaren Industriepolitik. „Wer hier dauerhaft von anderen abhängig bleibt, gibt die Kontrolle über die eigene Sicherheit ab“, so Henrichmann. Europa dürfe sich „nicht darauf verlassen, dass US-amerikanische Unternehmen diese Entscheidungen für uns treffen“. SPD-Politiker Johannes Schätzl nennt die Entwicklung einen „Weckruf“: „Die Fähigkeit, unbekannte Sicherheitslücken automatisiert zu finden und auszunutzen, war bisher wenigen hochspezialisierten Teams oder staatlichen Akteuren vorbehalten.“ Schätzl forderte eine „starke staatliche Aufsicht“ und eigene Fähigkeiten. Nötig sei eine europäische Investitionsoffensive in Rechenzentren, Modelle, Forschung und Halbleiterproduktion.