Länder wie Indien haben ökonomisch längst einiges zu bieten. Dazu kommt eine junge Bevölkerung, die Aufstiegschancen ergreift. © PIYAL ADHIKARY, epd
München – Exchange Traded Funds (ETFs), also Fonds, die Indizes passiv abbilden, sind beliebter denn je. Global sind dort laut dem Researchhaus ETFGI inzwischen über 20 Billionen US-Dollar investiert. Und auch das Volumen der ETF-Sparpläne in Europa hat einer Auswertung von Extra ETF zufolge ein neues Rekordhoch erreicht. Dabei steht ein Aktienindex in der Beliebtheitsskala der Anleger ganz oben: der MSCI World.
Ohne Frage ist das keine schlechte Entscheidung, bietet er doch ein Investment in mehr als 1300 Unternehmen und damit die Möglichkeit, breit gestreut zu investieren. Allerdings nur in die Märkte der Industrieländer. Aktien aus Schwellenländern sind dort nicht enthalten. Es fehlen zum Beispiel Länder wie China, Indien, Taiwan, Südkorea oder Brasilien.
■ Wachstum dürfte weitergehen
Zwar blieben die Aktien der Schwellenländer in der vergangenen Dekade hinter den Märkten der Industriestaaten zurück. Doch hat sich das zuletzt geändert. 2025 legte der MSCI Emerging Market Index in US-Dollar mehr als 33 Prozent zu – deutlich mehr als fast alle anderen großen Indizes. In Euro waren es zwar nur 18,5 Prozent, doch auch dieses Ergebnis lag deutlich über den sieben Prozent, die der MSCI World in Euro brachte. Und trotz der Turbulenzen in diesem Jahr liegt der MSCI Emerging Markets bis Ende April fast 15 Prozent im Plus.
Doch vor allem könnte sich die jüngste Aufholjagd der Schwellenländer fortsetzen. Da sind zum einen die grundsätzlichen Faktoren: Nach Berechnung des Internationalen Währungsfonds steuern die Emerging Markets rund 60 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum bei. Zwei Drittel der globalen Mittelschicht wird laut einer Prognose des World Economic Forum im Jahr 2030 in den Schwellenländern leben, was den Konsum dort ankurbeln sollte.
Dazu kommen strukturelle Veränderungen: „Viele Schwellenländer haben die vergangenen Jahre genutzt, um ihren Haushalt zu konsolidieren, Schulden abzubauen, ihre Devisenreserven aufzufüllen und ihre Abhängigkeit von Finanzierungen in Fremdwährungen zu reduzieren“, informiert Kai Röhrl vom Asset Manager PGIM. Diese Strukturreformen fördern zusammen mit dem Rückgang der Inflation ein robustes, von Investitionen getragenes Wachstum. Auch Jessica Henry von Federated Hermes bescheinigt den Schwellenländern Potenzial. Treiber seien die demografische Entwicklung, steigende Einkommensniveaus sowie die Anbindung an attraktive Märkte.
■ Rückenwind durch schwachen Dollar
Dazu gibt es einen Faktor, der für Schwellenländer besonders entscheidend ist: den US-Dollar, der sich in aller Regel invers zu Emerging-Market-Anlagen verhält. „Ein starker Dollar führte in der Vergangenheit zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern und umgekehrt“, stellt Röhrl fest. Tatsächlich verlor der US-Dollar im vergangenen Jahr gegenüber fast allen Währungen an Wert. Und das führte dazu, dass wieder deutlich mehr Geld in die Schwellenländer ging. Laut Fidelity floss im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate fast genauso viel Kapital in Emerging-Market-ETFs wie in ETFs auf den nordamerikanischen Markt. Tatsächlich ist ein schwächerer Dollar ein Ziel der US-Regierung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Das könnte ein Treiber für weitere Kapitalzuflüsse in die Emerging Markets sein.
■ Bewertungen noch günstig
Dazu sieht Expertin Jessica Henry in den Schwellenländern eine im Vergleich zu den Industrienationen attraktive Bewertung. Tatsächlich weist der MSCI Emerging Markets Ende April dieses Jahres ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 18,5 auf, wobei Analysten im Durchschnitt dort zugleich ein Gewinnwachstum von rund 20 Prozent erwarten. Dagegen liegt das KGV beim MSCI World bei über 24. Damit bieten die Aktienmärkte der Emerging Markets nach Ansicht von Henry derzeit ein vorteilhaftes Chance-Risiko-Verhältnis.
Das bedeutet nun zwar nicht, dass Anleger komplett in die Schwellenländer investieren sollten, aber sie beizumischen dürfte sich auszahlen. Eine Möglichkeit ist, statt in den MSCI World in den MCSI All Country World Index oder den FTSE All-World Index zu investieren, die zusätzlich zu den Industriestaaten Aktien aus Schwellenländern enthalten. Eine Alternative dazu könnte ein direktes Investment in den MSCI Emerging Markets sein, über einen entsprechenden ETF auf diesen Index. Oder ein aktiv gemanagter Aktienfonds (Tabelle), die sich in der Vergangenheit gut entwickelten.