Webasto peilt wieder Gewinn an

von Redaktion

Die Produktion von Batteriepaketen für E-Autos sollte Webasto zu Wachstum verhelfen (hier: Werk in Schierling in Niederbayern). Bisher machen Dächer aber 79 Prozent des Konzernumsatzes und Standheizungen 13 Prozent des Umsatzes aus. © Webasto

Stockdorf – Sinkender Umsatz, mehr Konkurrenz in China und hohe Sanierungskosten: Webasto steckt weiter in der Krise. Im Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz um 7,4 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro, wie das Unternehmen aus Stockdorf im Kreis Starnberg am Montag mitteilte. Vor Steuern und Einmaleffekten machte Webasto zwar 51 Millionen Euro Gewinn. Nicht enthalten sind dabei aber unter anderem die Kosten für Abfindungen und für die Sanierung des Unternehmens – ein „niedriger dreistelliger Millionenbetrag“, wie ein Unternehmenssprecher unserer Zeitung bestätigte. Unter dem Strich dürfte Webasto also einen deutlichen Verlust gemacht haben.

Jedes zweite Autodach weltweit stammt laut Unternehmensangaben von Webasto. Der Zulieferer von Dächern und Standheizungen schlitterte 2025 aber in eine tiefe Krise. Das Unternehmen wollte unter anderem mit dem Bau von Batterien und Ladelösungen wachsen, überschätzte aber das Tempo für den Hochlauf der E-Mobilität. Hinzu kamen Qualitätsmängel bei Dächern für ein US-Modell von Ford und die allgemeine Krise der Autoindustrie. 2025 musste das Familienunternehmen einen professionellen Sanierer an Bord holen, um weiter Bankkredite zu bekommen. Allein in Deutschland wurden etwa 1000 Stellen gestrichen, in der Stockdorfer Zentrale, aber auch an den Standorten wie Gilching, Utting oder Hengersberg. Zuletzt hatte Webasto 13.100 Mitarbeiter – 2024 waren es 15.348 gewesen, 2022 sogar 16.812.

Wo die operativen Probleme lagen, zeigt nun ein Blick in die Zahlen. Demnach schrumpfte der Umsatz nicht zuletzt in China. Der Umsatzanteil sank dort von 21 auf 18 Prozent. „In China gewannen lokale Hersteller weiter Marktanteile, was den Wettbewerbsdruck – insbesondere für internationale Anbieter – erhöht“, erklärte das Unternehmen. Auch das Zukunftsgeschäft mit E-Mobilität, an dem Webasto festhalten will, machte mit rund 300 Millionen Euro nur etwa acht Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zudem gingen die Autoverkäufe in Europa und den USA zurück, was auch den Zulieferer traf. Besser lief es in der Region Asien-Pazifik mit dem Zugpferd Indien, wo das Geschäft um vier Prozent wuchs. Dort will Webasto in der Region Delhi bis Ende 2026 sogar ein neues Werk eröffnen. Bis 2030 sollen in Indien rund 175 Millionen Euro investiert werden.

Ohnehin will der Zulieferer trotz Krise nicht bei Forschung und Entwicklung sparen. 2025 wurden dort sieben Prozent des Umsatzes investiert. Webasto habe trotz des schwierigen Umfeldes „wichtige Fortschritte erzielt und die entscheidenden Weichen für eine nachhaltige Stabilisierung und zukünftiges Wachstum gestellt“, sagte Unternehmenschef Jörg Buchheim. Für 2026 stellte er einen Vorsteuergewinn „deutlich über Vorjahr“ in Aussicht. Auch bei der Sanierung sei Webasto „voll auf Kurs“. Ende 2025 habe das Unternehmen „ausreichende Zahlungsmittel sowie ungenutzte Kreditlinien“ gehabt, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Im Herbst hatten Buchheim und Sanierungschef Johann Stohner gemeinsam mit den Gläubigern und Banken ein 1,4 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Webasto geschnürt. Großkunden wie BMW oder VW kamen dem angeschlagenen Partner bei den Vertragskonditionen entgegen. 1,2 Milliarden Euro an Kreditlinien wurden bis Ende 2028 verlängert, außerdem bekam die Firma 200 Millionen Euro an frischem Kapital. Im Gegenzug mussten die Eigentümerfamilien Baier und Mey einen Großteil ihrer Firmenanteile an einen Treuhänder übergeben. Verläuft die Sanierung erfolgreich, dürften die Besitzerfamilien ihre Anteile zurückbekommen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Artikel 4 von 5