Messen wie die Bauma sind Besuchermagneten. © Frommel/Messe München
München – Für die Vorstellung ihrer neuen Kaufkraftstudie hat die Messe München einen symbolträchtigen Ort ausgewählt: Das Pschorr am Viktualienmarkt, einem der ältesten Märkte in Deutschland, um den sich heute viele Geschäfte, Hotels und Restaurants gruppieren. Auch viele internationale Gäste zieht der Markt an – und einige sind für eine Messe nach München gekommen. „Die Messen sind für uns mindestens so wichtig wie die Heimspiele des FC Bayern“, sagt Jürgen Lochbihler, Chef des Pschorr am Viktualienmarkt, das neben einem Restaurant auch Räume für Tagungen, Events und Partys bietet.
Kein Zufall also, dass die Messe München genau dort berichtet, wie viel Geld ihre Veranstaltungen der Stadt in die Kassen spülen. Deutschlandweit sind es 4,45 Milliarden Euro, allein auf die Stadt München entfallen davon 2,33 Milliarden. Das zeigt eine Erhebung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag der Messe München. „Auf jeden Euro, den wir durch unsere Messen in München einnehmen, kommen bundesweit durch Übernachtungen, Restaurantbesuche oder andere Dienstleistungen über zehn Euro an zusätzlicher Wertschöpfung“, berichteten die Messechefs Reinhard Pfeiffer und Stefan Rummel bei der Vorstellung der Studie im Pschorr. Die Messen seien „ein wirtschaftlicher Motor für München, Bayern und ganz Deutschland.“
Besonders stark profitieren demnach messenahe Dienstleistungen wie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Allein in München seien 1,7 Millionen der jährlich 19,7 Millionen Übernachtungen auf Messebesucher zurückzuführen. Die aus aller Welt stammenden Gäste und Aussteller würden außerdem in Restaurants gehen, Catering bestellen, Messebauer oder Standtechnik beauftragen sowie Dienstleistungen in Bereichen wie Logistik oder Marketing in Anspruch nehmen. In München würden so 17.600 Jobs entstehen, etwa 5000 davon im Gastgewerbe. In ganz Bayern schaffe das 24.800 Arbeitsplätze, so die Forscher, deutschlandweit seien es 34.400.
Zu den Münchner Messen kamen 2025 insgesamt 34.600 Aussteller und 2,5 Millionen Besucher. Die bekanntesten Veranstaltungen in der Landeshauptstadt sind die Baumaschinenmesse Bauma – die flächenmäßig größte Messe der Welt mit 600.000 Besuchern –, die Umweltmesse IFAT sowie die gemeinsam mit dem Autoverband VDA organisierte Automesse IAA. Insgesamt richtet die Messe weltweit 150 Veranstaltungen pro Jahr aus, unter anderem in den USA, China, Indien, der Türkei, Saudi-Arabien oder Singapur. Von globalen Leitmessen wie der Bauma oder der IFAT gibt es bereits Ableger in vielen Metropolen rund um den Globus. Dort würden Aussteller und Fachpublikum diese Weltleitmessen kennenlernen und sich so gewissermaßen zum Original nach München locken lassen, erklärten Pfeiffer und Rummel. Dabei gelte: Je weiter die Gäste anreisen, desto mehr Geld lassen sie in Deutschland. So bleiben Besucher aus Bayern im Schnitt nur einen Tag in München und geben etwas über 100 Euro aus, Amerikaner reisen meist für drei Tage an und lassen sich das 5000 Euro kosten.
Die Prognos-Zahlen beruhen auf Hochrechnungen aus Umfragen bei Ausstellern und Gästen und bilden einen Durchschnitt seit 2022. Eine vergleichbare Erhebung hatte es schon 2019 gegeben. Damals hatten die Ökonomen bundesweite Wirtschaftseffekte von 3,29 Milliarden Euro ermittelt, heute sind es in einem durchschnittlichen Messejahr 4,45 Milliarden – 35 Prozent mehr. In einem Superjahr wie 2025 samt Bauma und IAA liege der Umsatz sogar bei 5,8 Milliarden, so Prognos.
Insgesamt stehe München damit für 15 Prozent aller Umwegrendite der Messebranche – keine andere deutsche Messe schaffe mehr. Das Geld bleibe größtenteils im Freistaat: 2,33 Milliarden Euro auf München, 136 Millionen auf Freising, 86 Millionen auf den Landkreis München, je 21 Millionen auf Erding und Fürstenfeldbruck, 19 Millionen auf Dachau und je 17 Millionen auf Standberg und Ebersberg.
Messe, das bedeute „volle U-Bahnen und viel Verkehr“, räumte Messechef Rummel ein, „aber auch Taxi-Fahrten, Übernachtungen, Restaurantbesuche.“ Bei Pschorr-Wirt Lochbihler war zum Beispiel Anfang Mai während der Umweltmesse IFAT erst der amerikanische Abfallverband mit hunderten Besuchern zu Gast. Doch nicht nur der Wirt freut sich über die Einnahmen. Auch der Fiskus profitiert. Laut Prognos flossen durch die Münchner Messen 726 Millionen Euro in die Kassen von Bund, Land und Kommunen, der Löwenanteil davon landete beim Bund und dem Freistaat.ANDREAS HÖSS