Manching – Zwei Eurofighter donnern über das Airbusgelände und drehen Loopings und Pirouetten, auf dem Rollfeld stehen riesige Militärtransporter, auf einer Wiese zeigen mit Soldaten bemannte Hubschrauber, wie man mit Drohnenunterstützung Geiseln aus den Händen von Terroristen befreit: Airbus hat am Mittwoch in Manching Journalisten und Verteidigungsexperten zu einer Rüstungsshow geladen. Es ist der erste Medientag zum Thema Rüstung des weltgrößten Flugzeugbauers, der etwa 20 Prozent seines Umsatzes mit dem Militär macht. Bisher hätten sich Pressetage von Airbus eher um die Frage gedreht, was die Luftfahrt gegen den Klimawandel tun könne, berichtete Airbus-Chef Guillaume Faury.
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und den zunehmenden Drohungen Chinas gegenüber Taiwan ist in Europa die Erkenntnis gereift, dass die Welt bedrohlicher wird. Die EU ist seit der Amtsübernahme Donald Trumps in den USA militärisch zudem mehr auf sich allein gestellt. Faury betonte in Manching, dass die USA, Russland, China oder Indien deutlich mehr Geld für Verteidigung ausgeben als Europa. Der Kontinent investiere nur zehn Prozent der US-Summe in heimische Rüstungsgüter und kaufe viele Waffensysteme aus anderen Ländern wie den USA zu. Europa arbeite nicht konsequent genug an seiner Verteidigungsfähigkeit, warnte Faury deshalb. Er forderte: „Wir müssen mehr Tempo machen.“
Dem Airbus-Chef ging es dabei vor allem um das milliardenschwere FCAS-Projekt, in dessen Zentrum ein von Drohnen begleiteter Kampfjet stehen soll. Doch das Projekt, in das Firmen aus Deutschland, Frankreich und Spanien involviert sind, steckt schon seit Längerem fest: Frankreich benötigt einen kleineren Jet, der auf Flugzeugträgern starten und Atomwaffen tragen kann. Deutschland wünscht sich dagegen ein eher großes Kampfflugzeug und kann sich ein unbemanntes System vorstellen. Außerdem pocht der französische Dassault-Konzern auf die Führerschaft im Konsortium mit Airbus, das den Jet bauen soll. Airbus lehnt das aber ab.
Airbus-Chef Faury will trotzdem am Projekt festhalten. „Kooperation ist kein Spaziergang“, räumte er in Manching ein. Man brauche dafür Firmen, „die fähig sind zusammenzuarbeiten“, sagte er mit Blick auf Dassault. Dennoch sieht Faury wirtschaftlich keine Alternative zu einem europäischen Ansatz. „Wir müssen sehr aufwendige und teure Systeme entwickeln, von denen nur wenige Stückzahlen verkauft werden. Deshalb ist Skalierung zentral.“ Zudem laufe die Entwicklung der Kampfsysteme, Triebwerke oder der Kommunikationsplattform relativ reibungslos. Lediglich beim Design des Jets gebe es Probleme. Doch auch die würden sich lösen lassen, so Faury – etwa, indem man unterschiedliche Jets für Deutschland und Frankreich baue. Auch von der amerikanischen F35 gebe es drei Derivate für verschiedene Einsatzbereiche.
Nicht nur bei Airbus ärgert man sich über die Hängepartie und die Dauerdiskussionen bei FCAS. Dennoch brauche man Europas Staaten als Auftraggeber. Eine Vorentwicklung auf eigene Kosten sei „zu teuer und zu riskant“, erklärte Michael Schöllhorn, der die Rüstungssparte bei Airbus leitet. Er verwies auch auf andere europäische Militärprojekte wie den Eurofighter, das Transportflugzeug A400M oder den NH90-Helikopter. Jedes dieser gemeinsamen Projekte sei erfolgreich gewesen, „sie haben aber alle zu lange gedauert“, so Schöllhorn. Europa dürfe Kooperationen deshalb nicht zu komplex gestalten und „keine Wunschlisten“ verteilen.
Laut Schöllhorn hat es immerhin einen Mentalitätswandel in Politik und Gesellschaft gegeben: Verteidigung sei lange ähnlich verpönt gewesen „wie Pornografie und Tabak“. Nun sei das Thema raus aus der Schmuddelecke. Auch Airbus-Chef Faury schlug in diese Kerbe. In den vergangenen 75 Jahren habe Europa andere Prioritäten gesetzt, „weil wir dachten, der Frieden hält ewig“, sagte er. „Aber die Dinge haben sich geändert.“