Varta: Geplatzte Batterie-Träume

von Redaktion

Die Versprechen waren groß – jetzt stehen hunderte Jobs und Millionen Euro Steuergeld auf dem Spiel

Varta wurde in Nördlingen massiv mit Steuergelder gefördert. © Hildenbrand/dpa

Nördlingen – Weil ein großer Kunde abgesprungen ist, stellt Batterie-Hersteller Varta seine Knopfzellenproduktion in Nördlingen ein. 350 Mitarbeiter sollen ihre Arbeit verlieren. Eine nagelneue Fabrik könnte bald leer stehen.

Dabei klang es erst nach einer Erfolgsgeschichte: „In Nördlingen entsteht die modernste Lithium-Ionen-Batteriezellenfabrik für den großen Wachstumsmarkt der Wearables“, sagte 2020 der damalige Varta-Chef Herbert Schein laut dem Portal „IWR“. Gemeint waren Bluetooth-Kopfhörer. Auch in der Politik gab es große Hoffnungen, dass Varta die Erkenntnisse aus Forschung und Herstellung auf andere Geräte übertragen könnte. Denn heute ist die Batterieherstellung fest in der Hand asiatischer Unternehmen.

„Der Standort Nördlingen wurde 2020 auf der grünen Wiese gebaut“, erklärt Matti Riedlinger von der IG Metall Augsburg gegenüber unserer Zeitung. „Noch bis Sommer 2025 hatten hier circa 700 Menschen gearbeitet.“ 2022 waren es sogar 1100. Doch das Projekt war auf Sand gebaut: „Die gesamte Fertigung war nur auf einen Kunden ausgerichtet“, so Matti Riedlinger. Laut einem Bericht des „Bayerischen Rundfunks“ handelte es sich dabei um den Smartphone-Hersteller Apple. „Dieser Großkunde hat im Herbst angekündigt, keine neuen Aufträge mehr bei Varta zu platzieren“, so Riedlinger. „150 Mitarbeiter haben ihre Stelle daraufhin schon zum Jahreswechsel 2025/26 verloren.“ Die Probleme hätten jedoch schon 2024 begonnen.

Besonders bitter: Der Steuerzahler hat viel Geld in den Standort gesteckt: Rund 100 Millionen Euro Fördergeld hatten Bund und Freistaat dafür zugesichert, Nördlingen galt als europäisches Projekt von gemeinsamem Interesse (IPCEI).

Es ist jedoch unklar, ob die Verantwortlichen im Jahr 2020 für das Geld auch Standort-Garantien eingefordert hatten: „Wie jede Förderung sind auch die Förderbescheide der IPCEI mit verschiedenen Auflagen versehen. Diese sind allerdings nicht öffentlich“, hieß es aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium. Das federführende Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) ließ wissen: „Das geförderte Projekt endete im Sommer 2022. Es erhielt eine Zuwendung in Höhe von rund 76 Millionen Euro. Davon wurde ein Teil ausbezahlt.“ Auch aus Berlin gab es zunächst keine Erkenntnisse, ob die Fördergelder an Auflagen geknüpft waren oder jetzt zurückgefordert werden: „Das BMWE wird die beihilferechtlichen Folgen der Entscheidung prüfen.“ Für Gewerkschafter Riedlinger ist der Fall klar: „Wenn eine Ansiedlung mit Steuergeldern unterstützt wird, würde ich auch erwarten, dass der Standort erhalten bleibt – oder die Subventionen zurückgezahlt werden.“

Varta selbst war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Die IG Metall will den Standort noch nicht verloren geben: „In Nördlingen stehen neue Gebäude und Fertigungsanlagen. Vielleicht lässt sich dort etwas anderes produzieren.“ Die Gespräche beginnen erst jetzt: „Am Freitag tagt der Aufsichtsrat zur Angelegenheit. In der kommenden Woche sprechen wir erstmals mit Varta über das weitere Vorgehen.“

Auch die Politik will weiter an deutschen Batterie-Fabriken festhalten: „Das BMWE steht mit dem Unternehmen in Kontakt“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. „Die Bundesregierung hält am Ziel fest, eine Batteriezellenfertigung in Deutschland und Europa aufzubauen, um industrielle Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.“ Ähnlich klingt es aus München: „Varta ist eines der leistungsfähigsten Batterieunternehmen Europa“, so eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums, „hier entstehen Innovationen. Das werden wir weiter unterstützen.“

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