ADAC stimmt über 20 Prozent höhere Beiträge ab

von Redaktion

München/Speyer – Hauptversammlungen des ADAC sind Veranstaltungen, von denen die breite Öffentlichkeit meist wenig Notiz nimmt. Dieses Mal könnte es anders sein. Die Delegierten der 18 Regionalclubs werden in Speyer über einen wichtigen Antrag des Präsidiums um ADAC-Chef Christian Reinicke abstimmen: nämlich die größte Beitragsanhebung in der ADAC-Geschichte. Demnach sollen die 22,7 Millionen Mitglieder ab 2027 rund 20 bis 25 Prozent mehr zahlen. Konkret soll etwa der Beitrag für eine Premiummitgliedschaft von 139 auf 174 Euro steigen.

Der ADAC musste bereits im März nach einem Bericht der „Welt“ zu den Plänen Stellung nehmen. Er verwies darauf, dass es die erste Anhebung seit 2020 wäre. „In dieser Zeit sind die Kosten insgesamt stark gestiegen“, erklärte der Verkehrsclub: die Lebenshaltungskosten um 21,5 Prozent, die Autokosten sogar 31 Prozent. „Das trifft auch den ADAC – etwa mit Blick auf den Aufwand für Personal, Ersatzteile, Abschlepp- und Werkstattleistungen.“ Insgesamt sei der ADAC 2025 bei 3,7 Millionen Pannen gewesen.

Noch ein zweites Thema verdient Aufmerksamkeit. In Speyer soll ein Nachfolger für Ex-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand gewählt werden, der über einen Shitstorm im Internet gestolpert war. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hatte er gesagt, der ADAC halte den CO2-Preis auf Sprit „für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Boulevardmedien strickten daraus, der ADAC wolle Sprit verteuern. 60.000 Mitglieder traten aus und Hillebrand nahm Anfang Februar seinen Hut. Dass der ADAC seit Jahresbeginn mehr Ein- als Austritte verzeichnete, ging in der hitzigen Debatte weitestgehend unter.

Auch jetzt wittern Beobachter wie die Zeitschrift „Capital“ eine „Revolte der Verbrenner-Lobby“ im ADAC. „Benzinfans“ würden den Aufstand proben und den Kulturkampf in den Club tragen, heißt es. Dort ist die Nervosität groß. Vor der Hauptversammlung mied der ADAC es jedenfalls, sich öffentlich zu E-Mobilität und Verbrennern zu äußern – wohl aus Angst, selbst mit unkritischen Aussagen bewusst falsch verstanden zu werden.HÖSS

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