Berlin – Der Iran-Krieg macht die Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung in Deutschland 2026 zunichte. Auch die Europäische Kommission halbierte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft Europas wegen der in die Höhe geschnellten Energiepreise: Nur noch 0,6 Prozent Plus traut Brüssel Deutschland im laufenden Jahr zu. Im Herbst hatte die EU-Kommission noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent prognostiziert. 2027 könnte es mit 0,9 Prozent Plus etwas besser werden.
Mit dem Iran-Krieg, der Ende Februar begonnen hat, haben sich die Aussichten eingetrübt. Ökonomen erwarten, dass die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft länger mit den Folgen der nach wie vor nicht beigelegten Auseinandersetzung im Nahen Osten zu schaffen haben wird.
Da die für den Welthandel wichtige Meerenge Straße von Hormus faktisch gesperrt ist, sind die Rohölpreise nach oben geschnellt. Höhere Energiepreise, besonders an Tankstellen, belasten Verbraucher und Unternehmen, das bremst Konsum und Investitionen.
Die Bundesbank geht davon aus, dass die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten die deutsche Wirtschaft im laufenden zweiten Quartal „breiter und spürbarer“ treffen werden. Die Inflationsrate in Deutschland dürfte demnach nach ihrem Sprung auf 2,9 Prozent im April in den kommenden Monaten erhöht bleiben. Die Industrie hierzulande wird nach Einschätzung der Bundesbank höhere Energiepreise, Lieferengpässe und Materialknappheit zunehmend zu spüren bekommen.
Nach Einschätzung der EU-Kommission wird sich die Wirtschaft auch in der Europäischen Union insgesamt schwächer entwickeln als zuletzt erwartet. Statt 1,4 Prozent Wachstum erwartet Brüssel nur noch 1,1 Prozent Plus. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde die Prognose auf 0,9 Prozent herabgesetzt.
■ Hoffnung für das nächste Jahr
Für das nächste Jahr erwartet die Kommission eine leichte Verbesserung, sofern sich die Lage auf den Energiemärkten entspannt. Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sei die Dauer des Konflikts im Nahen Osten. Ohnehin ist der Iran-Krieg nicht die einzige Belastung für die Konjunktur: Vor allem die USA mit ihrer Zollpolitik sorgen immer wieder für Verunsicherung.
In Deutschland ist die Hoffnung groß, dass die hierzulande geplanten Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung die Konjunktur spätestens 2027 deutlicher anschieben werden. Doch die Bundesregierung steht zunehmend unter Druck, grundlegende Reformen anzuschieben, um die seit Jahren schwächelnde deutsche Wirtschaft zukunftsfähig zu machen: Rente, Steuern, Arbeitsmarkt, Bürokratieabbau.
■ Exportüberschuss im US-Handel bricht ein
Die im vergangenen Jahr verhängten hohen US-Zölle auf Importe haben den deutschen Exportüberschuss im Handel mit den USA stark schrumpfen lassen: Er lag im ersten Quartal 2026 bei 12,4 Milliarden Euro, das waren 30,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Maßgeblich war demnach der geringere Export von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen. Insgesamt exportierten deutsche Unternehmen von Januar bis März Waren im Wert von 36,2 Milliarden Euro in die USA. Von dort importiert wurden Waren im Wert von 23,8 Milliarden Euro.
■ Weniger Geld aus dem Ausland
Auch der Abwärtstrend bei ausländischen Direktinvestitionen hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. 2025 ging die Zahl der Investitionsprojekte, die ausländische Unternehmen in Deutschland ankündigten, um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 548 Projekte zurück, wie das Beratungsunternehmen EY am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Dies war demnach der bereits achte Rückgang in Folge – und der niedrigste Stand seit 2009.