Die Landeshauptstadt München liegt im Ranking der besten Daseinsversorgung auf Platz 77. Mehrere Umland-Gemeinden platzieren sich sogar noch davor. © Smarterpix
München/Köln – Zahlreiche Ärzte, verschiedene Schulen, Hallen- und Freibad, mehrere Kindergärten, gute ÖPNV- und Straßenanbindung: Haar ist die am besten mit öffentlichen Angeboten ausgestattete Gemeinde in Deutschland. Das zeigt eine Auswertung aller deutschen Kommunen des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Demnach schneidet die Stadt im Münchner Umland mit über 25.000 Einwohnern in wichtigen Bereichen wie Mobilität, Freizeitangebote, Gesundheitsversorgung oder Bildungseinrichtungen gut ab. Lediglich das Internet ist dort nicht das schnellste.
Damit ist Haar nur eine von mehreren Münchner Umlandgemeinden, die unter den 11.000 deutschen Kommunen auf den vorderen Plätzen rangieren. Mit Offenbach, Frankfurt und Eschborn folgen zwar drei Orte in Hessen auf Platz 2 bis 4 und hinter Memmingen im Allgäu kommt dann Berlin auf Platz 6. Doch mit Gräfelfing auf Platz 26, Kirchheim auf Platz 33 oder Markt Schwaben auf Platz 35 ist der Münchner Speckgürtel mehrfach in den Top 50 vertreten. Die Stadt München selbst liegt auf Rang 77.
Eher Stadt-Land- als Ost-West-Gefälle
Diese guten Werte schlagen sich in der Regel in der Zufriedenheit der Bürger nieder. Auch das zeigt die IW-Studie, die erstmals objektive Faktoren mit subjektiven Zufriedenheitswerten verknüpft. Insgesamt hält jeder Vierte die Daseinsversorgung vor Ort für unzuverlässig, mehr als die Hälfte der Deutschen bewertet sie dagegen als positiv. In Bayern sind es sogar 54,6 Prozent. Damit liegt der Freistaat als erstes Flächenland deutschlandweit auf Platz 3 hinter den Stadtstaaten Hamburg (60,8 Prozent) und Bremen (57,4 Prozent). Das erste ostdeutsche Bundesland folgt gleich danach, nämlich Sachsen mit 53,5 Prozent. Die Schlusslichter bilden Mecklenburg-Vorpommern, wo im September ein neuer Landtag gewählt wird, und Sachsen-Anhalt. In Sachsen-Anhalt sind nur 43,7 Prozent der Menschen zufrieden mit der Lage vor Ort.
Ein Ost-West-Gefälle können die Ökonomen bei den realen Bedingungen in Städten und Gemeinden dennoch nur bedingt feststellen. So tauchen mit dem sächsischen Radebeul und Friedrichroda in Thüringen zwei ostdeutsche Städte in den Top 10 auf. Was sie dagegen vorfinden, ist ein Stadt-Land-Gefälle. So nimmt die Versorgung tendenziell ab, je weiter man von Städten und Metropolen entfernt ist. Unter den bestversorgten deutschen Gemeinden befindet sich mit Fahrenkrug in Schleswig-Holstein auf Platz 8 nur eine Landgemeinde.
AfD-Wähler haben „Pessimismusfilter“
Ein weiterer Befund: Unter allen politischen Gruppierungen sind AfD-Wähler am unzufriedensten mit der Lage vor Ort. Demnach halten 39 Prozent von ihnen die öffentliche Infrastruktur für unzuverlässig, nur 26 Prozent finden sie zuverlässig – bei den Wählern von Union, SPD und Grünen liegt die Quote doppelt so hoch. AfD-Wähler sind die einzige Gruppe, bei der es deutlich mehr Unzufriedene als Zufriedene gibt. Das muss sich aber nicht immer mit den objektiven Bedingungen vor Ort decken.
Beispiel Freiberg in Mittelsachsen: Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hängte die AfD mit 36,5 Prozent der Zweitstimmen die CDU (19,4) dort deutlich ab. Im Lebensqualitäts-Ranking taucht die Universitätsstadt mit ihrem historischen Stadtkern jedoch im Spitzenfeld auf Platz 46 von 11.000 Kommunen auf. Für „die Unterstützung der AfD sowie das Gefühl des regionalen Abgehängtseins spielen tatsächliche Daseinsvorsorgeangebote eine untergeordnete Rolle“, erklären die Studienautoren. AfD-Wähler würden selbst ihren Wohnort „durch einen Pessimismusfilter“ wahrnehmen.