Der Batteriehersteller CATL aus China, nun die weltweite Nummer 3 der Zulieferer, war bei der Münchner IAA vertreten und hat gerade in Ungarn ein riesiges Werk errichtet. © IMAGO
München – Chinas Autozulieferer drängen immer stärker auf den Weltmarkt. Mit CATL findet sich erstmals ein Unternehmen aus China auf Platz 3 der weltweit größten Zulieferer. Der Batteriehersteller machte im Jahr 2025 rund 39 Milliarden US-Dollar Umsatz und liegt damit nur hinter Denso aus Japan (43 Milliarden) und Bosch aus Stuttgart (56 Milliarden). Das zeigt eine Auswertung der 100 größten Autozulieferer weltweit der Unternehmensberatung Berylls. Chinesische Firmen sicherten sich außerdem erstmals einen Anteil von 13 Prozent an den Umsätzen und zogen mit amerikanischen Konzernen gleich. Deutsche Unternehmen kommen demnach auf knapp 20 Prozent Marktanteil und liegen damit knapp hinter Japan.
Schwindende Gewinne, sinkende Marktanteile, harte Sparmaßnahmen: Deutsche Zulieferer stecken in einer tiefen Krise. Laut Berryls sind in Deutschland in der Branche in den vergangenen acht Jahren 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen – viele davon in süddeutschen Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg, wo die meisten Autozulieferer sitzen. Der Trend sei nicht mehr aufzuhalten, befürchten Experten. „Wir sprechen mittlerweile von einer Reduktion der Wertschöpfung in unserer Industrie um 20 bis 25 Prozent“, sagt Jan Dannenberg von Berryls. Er glaubt: „Die nächsten drei bis fünf Jahre werden bitter für die deutsche Zuliefererindustrie.“
Diese steht mittlerweile von mehreren Seiten unter Druck. Einerseits muss sie sich wegen Elektromobilität und Digitalisierung neu erfinden. Andererseits ist nicht klar, wie schnell die Wende abläuft. Weil beispielsweise in den USA Förderprogramme für E-Mobilität gestrichen werden und in Deutschland und Europa ein Dauerstreit um den Verbrenner Käufer verunsichert, stockt der Hochlauf. Das belastet Firmen, die viel Geld in E-Mobilität investiert haben. Über allem schwebt zudem der Wettstreit mit China. Große Hersteller wie VW, BMW, Mercedes müssen deshalb harte Sparmaßnahmen einleiten – die sie an die Lieferkette weitergeben. „Die Folge sind härtere Preisverhandlungen“, berichtet Dannenberg. Gleichzeitig drängen Zulieferer aus China immer stärker nach Europa.
Und das passiert rasend schnell. Während die Umsätze der 100 größten Autozulieferer der Welt seit 2020 im Schnitt um sechs Prozent wuchsen, lag das Plus bei den chinesischen Zulieferern bei satten 16 Prozent. „Die Dynamik der Branche wird zunehmend von chinesischen Unternehmen bestimmt“, sagt Dannenberg. Das liege längst nicht mehr nur an günstigeren Produktionskosten. In China würden viel mehr neue Technologieführer in den Bereichen E-Mobilität, autonomes Fahren und Software entstehen. So machte der aus dem Handybereich stammende Softwarehersteller Huawei 29 Plätze auf Rang 23 gut und der Elektronikkonzern Luxshare stieg neu auf Platz 45 ein.
Das trifft die einstigen deutschen Platzhirsche. Insgesamt 16 deutsche Zulieferer finden sich noch in den Top 100 der Branche, darunter viele aus dem Süden – zum Beispiel Bosch, ZF oder Mahle aus Baden-Württemberg sowie Schaeffler, Brose, Infineon, Dräxlmaier, Webasto oder Knorr-Bremse aus Bayern. Die meisten haben Plätze im Ranking eingebüßt. Mahle fiel zum Beispiel von Platz 29 im Ranking auf 31, der in einer Sanierung steckende Dachhersteller Webasto von 74 auf 83, die Münchner Bremsenfirma Knorr-Bremse von 84 auf 97. Am weitesten rutschte Continental ab, nämlich von Platz 3 des Rankings auf Platz 21. Grund ist neben Sparprogramm und Stellenstreichungen vor allem die Abkopplung von Aumovio, der Sparte für autonomes Fahren und E-Mobilität.
Einen einfachen Ausweg sehen die Berater von Berylls nicht. Sie glauben zum einen, dass Lieferketten regionaler werden, Zulieferer also vor Ort bei den Kunden sitzen müssen. Zum anderen bescheinigen sie Hightech-Firmen bessere Chancen als Herstellern austauschbarer Teile. Die Zulieferer müssten also investieren, etwa in Künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung, so die Experten. Doch dafür müssten auch die Banken trotz Branchenkrise an sie glauben und ihnen das nötige Kapital für Zukunftsinvestitionen geben.