Mitglieder der Gewerkschaft halten Schilder mit der Aufschrift „Entfernt die Obergrenzen für Boni“ hoch. Sie waren erfolgreich. © Ahn Young-joon/dpa
Schulterschluss: Yeo Myeong-gu (l), Leiter der Abteilung für Gerätelösungen bei Samsung Electronics, und Choi Seung-ho, Vorsitzender der größten Gewerkschaft bei Samsung, haben sich auf ein Lohnabkommen geeinigt. Streikpläne sind ad acta gelegt. © dpa
Seoul – Die Beschäftigten von Samsung können sich über eine Jahresprämie von mehreren hunderttausend Euro pro Kopf freuen. Zuvor hatten die 48.000 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des südkoreanischen Technologiekonzerns mit einem 18-tägigen Generalstreik gedroht. Hintergrund des Konfllikts sind die Milliardengewinne des Konzerns, von denen die Belegschaft ein gutes Stück abbekommen wollte. Das ist nun geglückt: Samsung schüttet gut zehn Prozent seines Gewinns an die Mitarbeiter aus. Pro Kopf sind das 509 Millionen Won (291.000 Euro).
■ KI lässt die Gewinne strömen
Samsung hat massive Gewinne im Zuge des Booms der Künstlichen Intelligenz (KI) eingefahren. Das Unternehmen profitiert dabei von der stark gestiegenen Nachfrage nach Computerchips. Aktuell wird von einem Jahresgewinn von 331 Billionen Won ausgegangen (umgerechnet 189 Milliarden Euro). Fast 94 Prozent des Gesamtgewinns wurden von der Halbleitersparte von Samsung erzielt. Samsung hat in Südkorea rund 125.000 Angestellte. Den Bonus von 509 Millionen Won erhalten nun rund 78.000 Beschäftigte des Konzerns. Er soll in diesem Jahr ausbezahlt werden.
Die Beschäftigten stimmten elektronisch über den ausgehandelten Kompromiss ab. Laut dem nun bekannt gegebenen Ergebnis votierten 73 Prozent der teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder für die Bonuszahlung. Auch für die kommenden Jahre sind in dem Abkommen Bonuszahlungen vorgesehen, ihre Höhe hängt von der Gewinnentwicklung ab. Die Gewerkschaften hatten zunächst sieben Prozent mehr Lohn und höhere Zusatzzahlungen gefordert. Die Unternehmensführung wollte aber an einer leistungsabhängigen Vergütung festhalten.
■ Südkoreas Präsident mahnt zur Mäßigung
Samsung steht für 12,5 Prozent der Wirtschaftsleistung Südkoreas. Folglich ist der Tarifstreit bei dem Konzern auch ein Politikum. Der seit letztem Jahr regierende Präsident Lee Jae Myung hat sich bislang vorsichtig kritisch geäußert. „Arbeitnehmer sollen für ihre Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung erhalten können“, schrieb Lee in einem Kommentar auf der Online-Plattform X. Jedoch sollten auch Aktionäre, die durch ihre Investitionen potenzielle Risiken und Verluste tragen, Anspruch auf ihren Anteil am Unternehmensgewinn haben. In einer vorherigen Stellungnahme kritisierte Südkoreas Präsident die Forderungen der Gewerkschaft als „exzessiv“. Die Aussagen des 62-Jährigen sind bemerkenswert, da er aus dem politisch linken Lager stammt und einen gewerkschaftlichen Hintergrund hat.
■ Streik wäre teuer gekommen
Ein Streik bei dem weltgrößten Halbleiterproduzenten wäre nicht nur das Unternehmen teuer gekommen, sondern auch das Land. Die südkoreanische Zentralbank schätzt in einem internen Bericht, dass der Generalstreik bei Samsung das Wirtschaftswachstum des Landes für dieses Jahr um 0,5 Prozentpunkte ausbremsen könnte. Demnach würden sich die potenziellen Verluste auf rund 20 Milliarden US-Dollar belaufen. Die US-Handelskammer in Südkorea wies außerdem darauf hin, dass ein Streik bei Samsung die globale Lieferkette hätte unterbrechen können.