Berlin – Die Deutsche Bahn hat im Fernverkehr auf der Schiene einen Marktanteil von rund 95 Prozent. Doch derzeit entwickelt sich ein harter Konkurrenzkampf, der das bisherige System grundlegend verändern könnte. Der Grund: Das italienische Unternehmen Italo drängt auf den deutschen Markt – und geht dabei deutlich offensiver vor als bisherige Konkurrenten der Deutschen Bahn. Das italienische Unternehmen, gegründet unter anderem vom ehemaligen Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, will zunächst die Wettbewerbsbedingungen ändern lassen, bevor es in teure Züge investiert.
Dabei geht es um die Trassenvergabe: Wer in Deutschland einen Zug fahren will, benötigt eine sogenannte Trasse, also eine bestimmte Strecke zu einer bestimmten Zeit. Vergeben werden sie von der DB InfraGo, der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn. Die Aufsicht über die Vergabe hat die Bundesnetzagentur.
Derzeit werden Trassen jährlich angemeldet und vergeben, danach werden die Fahrpläne erstellt. Dagegen geht Italo nun vor: Die Italiener hätten gerne langfristige Verträge für bestimmte Trassen, also Planungssicherheit. Solche sogenannten Rahmenverträge gibt es in Deutschland aber seit 2017 nicht mehr. Darüber hinaus will Italo eine Gewährleistung, dass ein festgelegter Mindestanteil an Kapazitäten für neue Marktteilnehmer reserviert wird. Mit beiden Anliegen hat sich das Unternehmen an die Bundesnetzagentur gewandt.
Bei der Deutschen Bahn betonen die Manager dieser Tage zwar stets, dass Wettbewerb gut sei, das Geschäft belebe und Innovationen fördere. Doch danach folgen stets lautstarke Warnungen, Kritik am offensiven Vorgehen der Italiener und der Hinweis auf die vor allem an wichtigen Knoten bereits überlastete Infrastruktur. Bahnchefin Evelyn Palla rief die Politik nun auf, bessere politische Rahmenbedingungen zu schaffen. „Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken“, sagte sie. „Wettbewerb ist eben auch kein Selbstzweck“, so die Südtirolerin. „Wir müssen achtsam sein, dass diese Vorteile auch wirklich bei allen Menschen in Deutschland ankommen und nicht nur bei einigen wenigen in Metropolen.“
Das Argument der Bahn: Wenn Konkurrenten durch veränderte Wettbewerbsregeln die lukrativen Strecken wegschnappen, könnte das zur Folge haben, dass die nicht so stark nachgefragten Fernverkehrsfahrten in die Fläche wegfallen müssen. Zudem geht der bundeseigene Konzern davon aus, dass die Konkurrenten kein Interesse an vielen Unterwegshalten haben, wenn sie eine Trasse etwa zwischen München und Berlin anmelden.
Die Pläne von Italo sehen vor, zunächst die Strecken München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt und München–Berlin–Hamburg alle zwei Stunden zu fahren – beide Strecken gelten als äußerst lukrativ.DPA