Freiwillige Fusion: Dieter Rampl (links im Bild), HVB-Chef, und Alessandro Profumo, Chef der Unicredit. © dpa
Die Aktionäre der HypoVereinsbank stimmten dem Angebot der Unicredit zu: 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien bezahlten die Italiener. © Frank Leonhardt, dpa
München – Die italienische Bankengruppe Unicredit ist in München gut bekannt. Im Jahr 2005 hat sie die HypoVereinsbank übernommen, die damals eine von drei deutschen Großbanken war. Einer, der die damalige Fusion genau beobachtet und begleitet hat, ist Otto Wiesheu (81), der zu dieser Zeit bayerischer Wirtschaftsminister war. Seine Erfahrungen mit den Zusagen der Mailänder für die HypoVereinsbank lassen seiner Einschätzung nach nichts Gutes erwarten, wenn die Unicredit bei der Commerzbank erneut zum Zuge kommt.
Die Commerzbank kämpft gerade gegen die Übernahme durch die Unicredit. Die Übernahme der HypoVereinsbank durch die Unicredit im Jahr 2005 war dagegen freiwillig. Ein Fehler?
In meinen Augen schon. Es hätte bessere Lösungen gegeben. Dass die HypoVereinsbank als eine von drei deutschen Großbanken zur Unicredit abwandert, habe ich damals sehr skeptisch bis negativ gesehen.
Welche Alternativen hätte es damals denn gegeben?
Es hätte erstens die Möglichkeit gegeben, dass die HypoVereinsbank mit der Commerzbank fusioniert. Die Gespräche in diese Richtung waren schon weit gediehen. München sollte der Hauptsitz der neuen Bank sein, das war schon ausgemacht. Doch dann ist nach einem Wechsel an der Spitze der Vorstand der HypoVereinsbank auf die Unicredit umgeschwenkt. Es hätte zweitens auch die Möglichkeit gegeben, eine bayerische Lösung zusammen mit der BayernLB zu suchen.
Daraus wurde dann nichts. Welche Vorteile hätte diese Konstellation gehabt?
Es wäre eine deutsche Lösung gewesen. Hypo und Commerzbank, beide hätten sich gut ergänzt, auch regional. Beide waren zudem stark im Mittelstandsgeschäft und in der Auslandsfinanzierung. Mit der Bank Austria, die damals zur HVB gehörte, hätten sie ein großes internationales Netz vor allem in Osteuropa gehabt – ein Riesenpfund für unsere Exportwirtschaft. Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas hätte eine zweite starke Großbank schon gut gebrauchen können.
Unicredit hat ja auch mit der Staatsregierung gesprochen. Gab es Zusagen von Unicredit, was Standorte und Arbeitsplätze betrifft?
Zumindest wurde versichert, dass die HVB selbstständig bleibt und man sie weiterentwickeln will. Das ist bekanntlich nicht eingetreten. Die HVB hat alle ihre Gewinne in Mailand abgeliefert, was die Unicredit damals nötig hatte, die Bank Austria wurde fix abgetrennt und am Ende wurde aus dem Dax-Konzern HVB eine GmbH. Das war nie in Aussicht gestellt. Aber so ist es eben nach einer Banken-Übernahme: Zusagen sind nicht einklagbar und damit nichts mehr wert.
Wie viele HVB-Arbeitsplätze sind denn über die Jahre verloren gegangen?
Bei der Übernahme waren es 26.000, heute 9500. Fast zwei Drittel weniger.
Nun ist die Bankenwelt in den vergangenen 20 Jahren kräftig durchgeschüttelt worden. Stichwort Digitalisierung. Schwer zu sagen, wie die Lage heute ohne die Fusion wäre, oder?
Richtig. Alle haben rationalisiert und Filialen geschlossen. Deshalb lege ich in diesem Punkt auch gar nicht den strengsten Maßstab an. Aber die Einschnitte waren doch sehr groß.
Glauben Sie, dass so eine Schrumpfkur auch der Commerzbank bevorsteht?
Das sieht zumindest die Commerzbank-Chefin so. Man spricht von bis zu 10.000 Stellen, die unter Unicredit-Regie wegfallen könnten. Die Commerzbank selbst will nur 3000 Stellen abbauen.
Ihr Tipp an die Commerzbank-Aktionäre: Ja nicht auf das Tausch-Angebot der Unicredit eingehen?
Was da bisher vorliegt, ist kein vernünftiges Angebot.
Was würden Sie der Politik heute raten?
Ich würde zu denken geben, dass eine feindliche Übernahme unter Banken, und darauf scheint es ja hinauszulaufen, meistens schlecht ausgeht. Inwieweit der Bund als Großaktionär da noch hineingrätschen kann, kann ich nicht beurteilen. Es hat schon eine gewisse Ironie: Der damalige Plan, dass die HVB mit der Commerzbank zusammengeht, kann nun wohl doch noch Wirklichkeit werden, allerdings unter dem Dach der Unicredit.