Europäisches Kampfjet-Projekt ist gescheitert

von Redaktion

Das Luftkampfsystem FCAS sollte den Eurofighter (Foto) ablösen. Es sollte 2040 einsatzfähig sein. © dpa

Berlin – Aus für den FCAS-Jet: Das europäische Kampfjet-Projekt scheitert an einem deutsch-französischen Industriestreit zwischen Airbus und Dassault – und an unterschiedlichen Anforderungen an das Flugzeug. Die beiden Parteien würden auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, so deutsche Regierungskreise. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron daher nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiterzufolgen.

Für Deutschland und Frankreich, die sich gerne als Motor Europas darstellen, ist dies politisch eine herbe Schlappe. Seit Jahren will die EU gemeinsame Rüstungsvorhaben vorantreiben. Dassault pochte aber auf die Führerschaft im Jet-Projekt, Airbus verwies dagegen auf bestehende Verträge und bestand auf eine Entwicklung auf Augenhöhe. Zudem gab es unterschiedliche Vorstellungen, was für ein Flugzeug eigentlich entwickelt werden soll. Frankreich braucht einen kleinen Jet, der auf Flugzeugträgern starten und Atomwaffen tragen kann. Deutschland verfügt jedoch weder über Flugzeugträger noch über nukleare Bewaffnung. Laut „Handelsblatt“ soll die Kooperation aber nicht an der französischen Regierung, sondern an Dassault-Chef Éric Trappier gescheitert sein.

Den Startschuss für das prestigeträchtige und mehr als 100 Milliarden Euro teure Projekt hatten die damalige Kanzlerin Angela Merkel und Macron im Juli 2017 gegeben. Geplant war nicht nur ein neuer Kampfjet, der 2040 den Eurofighter und die Rafale ablösen sollte, sondern gleich ein komplett neues Kampfsystem samt Jet, Drohnen und einer sogenannten Combat-Cloud, die Waffensysteme miteinander vernetzt. Während das gemeinsame Jet-Projekt nun wohl Geschichte ist, soll die Entwicklung anderer Elemente wie der Combat-Cloud weiterverfolgt werden.

Ob das Aus für den gemeinsamen Jet den Start getrennter Projekte bedeutet, ist noch unklar. Laut „Handelsblatt“ könnte es so eine Lösung geben. Demnach soll Dassault eine Maschine für Frankreich bauen und Airbus eine für Deutschland und womöglich auch Spanien. Europa brauche angesichts der russischen Bedrohung eine modernere Luftverteidigung, heißt es aus Politik und Rüstungsbranche.HÖSS/DPA

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