Die Straße von Hormus bleibt für Schiffe unpassierbar. Ein hochrangiger iranischer Berater droht nun, mit der Bab el-Mandeb einen weiteren Seeweg zu blockieren. © dpa
An den Finanzmärkten beobachtet man das Auf und Ab der Rohölpreise genau. © john Angelillo/IMAGO
Teheran – Das Wiederaufflammen des Krieges im Nahen Osten hat den Ölpreis kurzzeitig nach oben schießen lassen. Nordsee-Öl der Sorte Brent kostete am Montag Vormittag wieder über 98 US-Dollar je Fass (159 Liter) und damit rund fünf Prozent mehr als vergangene Woche. Israel und Iran hatten sich zuvor trotz Waffenruhe gegenseitig angegriffen. Erst als der Iran am Nachmittag mitteilte, die Angriffe seien vorerst beendet, beruhigte sich auch die Lage an den Rohstoffmärkten wieder und der Ölpreis fiel wieder auf 94 Dollar.
Die Angriffe zeigen, wie brüchig die Waffenruhe im Nahen Osten ist. Entsprechend groß ist die Nervosität an den Finanzmärkten. Für Aufsehen sorgte zuletzt ein Interview des iranischen Militärberaters Mohsen Rezaei mit dem US-Sender CNN. Dort forderte Rezaei, dass die USA 24 Milliarden Dollar an eingefrorenem iranischen Vermögen freigeben und die Militärkontrolle über die Straße von Hormus aufgeben müssten. Andernfalls werde der Iran den Krieg ausweiten – mit weiteren Folgen für den Welthandel und die Rohstoffmärkte. Konkret drohte Rezaei: Kommen die USA den Forderungen nicht nach, „werden wir den Krieg in den Indischen Ozean, die Straße von Bab el-Mandeb, das Rote Meer und das Mittelmeer tragen“.
Durch die Unterbrechung der Ölversorgung setzt der Iran die Welt seit Monaten ökonomisch unter Druck. So blockieren die Revolutionsgarden seit Kriegsbeginn die Straße von Hormus, durch die bislang mindestens ein Fünftel der globalen Öl- und Gasversorgung liefen, die normalerweise aber auch Containerschiffe durchfahren. Wird auch eine Durchfahrt durch die Straße von Bab el-Mandeb unmöglich, würde das den Druck weiter steigern. Die 27 Kilometer breite Meerenge ist eine wichtige Zufahrtslinie zum Suez-Kanal und dem Indischen Ozean. Durch sie bewegen sich etwa zehn Prozent des globalen Handelsverkehrs zur See. Seitdem die Straße von Hormus nicht mehr passierbar ist, leitet Saudi-Arabien einen Teil seiner Energieexporte über diese Route um.
Laut US-Investmentbank JP Morgan würde eine Sperrung der Bab el-Mandeb den Ölpreis um weitere 20 Dollar ansteigen lassen. Anders als bei der Straße von Hormus kann der Iran die zwischen Jemen, Eritrea und Dschibuti gelegene Meerenge nicht direkt kontrollieren. Dafür haben die Iraner treue Verbündete in der Region: die schiitische Huthi-Miliz, die der Iran unterstützt. Die Huthis haben bereits in der Vergangenheit Handelsschiffe angegriffen. Hochrangige Huthi-Vertreter drohten im April, erneut Schiffe ins Visier zu nehmen und so den Iran bei seinem Kampf zu unterstützen. Wie ernst die aktuellen Drohungen des Irans sind, ist schwer einzuschätzen.
Am 28. Februar, genau vor 100 Tagen, hatten die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran begonnen. Trotz massiver Militärpräsenz haben es die USA bisher nicht geschafft, Handelsschiffen die Passage durch die Straße von Hormus wieder zu ermöglichen – einen entsprechenden Versuch gab das US-Militär Anfang Mai nach nur wenigen Stunden wieder auf.
Die Blockade hat gravierende Folgen für die Wirtschaft– nicht zuletzt in Europa. Seit Kriegsbeginn habe die EU wegen gestiegener Öl-, Gas- und Spritpreise 47 Milliarden Euro mehr für Energieexporte ausgegeben, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission der Nachrichtenagentur dpa. „Das ist der Preis, den wir zahlen.“ Am wichtigsten sei aber, dass es bisher zu keinen Versorgungsengpässen gekommen sei. Glaubt man der US-Bank JP Morgan, könnte sich das jedoch ändern, sofern der Konflikt andauert: Die Energieexperten der Bank warnen, dass ab September viele Raffinerien und Tankerbetreiber wegen einer anhaltenden Unterversorgung mit Öl den Betrieb einstellen könnten.