Konnten sich nur noch auf das Ende des Projekts einigen: Bundeskanzler Friedrich Merz (l, CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron. © Ebrahim Noroozi, dpa
Der Kampfjet der Zukunft sollte entstehen: Ein Modell wurde zuletzt auf der Internationalen Pariser Luftfahrtausstellung auf dem Flughafen Le Bourget präsentiert. © Benoit Tessier/dpa
Berlin – Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS sucht die Bundesregierung nach einer Alternative. Eine der Optionen könnte eine neue Allianz aus acht Rüstungsunternehmen um den Hersteller Airbus sein, die gemeinsam einen europäischen Kampfjet entwickeln wollen. Ein entsprechendes Positionspapier reichte das Bündnis „Team Gen 6“ nach Angaben eines Sprechers vom Dienstag beim Bundesverteidigungsministerium ein.
Ressortchef Boris Pistorius (SPD) zeigte sich offen für den Vorstoß der acht Unternehmen. „Das ist denkbar und ist eine der Möglichkeiten“, sagte er. Sein Ministerium prüfe nach dem Aus von FCAS „mehrere Optionen“. Eine davon sei, weitere F35 US-Kampfjets zu bestellen. „Die zweite Option ist, wir steigen in ein bestehendes, schon laufendes, anderes internationales Projekt ein. Oder wir machen selber eins unter deutscher Führung durch Airbus und andere Partner.“ Und möglicherweise gebe es noch eine vierte Option, „über die ich jetzt nicht reden will“.
Das Bündnis „Team Gen 6“ ist ein Zusammenschluss von Airbus Defence and Space, Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines sowie Rohde und Schwarz. Weitere Informationen würden die Partner „im Rahmen einer offiziellen Unterzeichnung des Positionspapiers“ am Donnerstag auf der Luftfahrtmesse ILA bekannt geben, erklärte ein Sprecher von Hensoldt. Das Projekt trage den Namen „Next Generation Weapon System“ (NGWS).
Der Inspekteur der deutschen Luftwaffe ließ am Dienstag Sympathie für die Anschaffung weiterer F-35-Jets aus US-Produktion erkennen. Zwischen der Auslieferung der letzten Eurofighter im Jahr 2035 „und der Verfügbarkeit eines zukünftigen europäischen Kampfflugzeugs entsteht eine Lücke, die wir überbrücken müssen“, sagte Generalleutnant Holger Neumann dem „Handelsblatt“. Kampfflugzeuge der Zukunft müssten über Tarnkappen-Fähigkeiten verfügen und mit unbemannten Systemen zusammenwirken können – Eigenschaften, die aktuell am ehesten die F-35 erfülle.
FCAS wurde 2017 als europäisches Rüstungsprojekt und Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung gestartet, auch Spanien ist am Projekt beteiligt. Neun Jahre nach der Ankündigung des gemeinsamen Kampfjets hatten Deutschland und Frankreich am Montag nach langen Streitigkeiten das Ende des Vorhabens beschlossen, wobei die Initiative offenbar von Deutschland ausging. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe Präsident Emmanuel Macron „nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiter zu verfolgen“, hieß es am Montag vonseiten der Bundesregierung.
Weitergeführt werden soll laut deutschen Regierungskreisen aber die gemeinsame Vernetzung von unterschiedlichen Waffensystemen wie Flugzeugen und Drohnen oder auch Sensoren in einer sogenannten „Combat Cloud“. Das Projekt „Future Combat Air System“ FCAS ist damit nicht vollständig vom Tisch. Mitte Juli sollen die beiden Verteidigungsministerien Deutschlands und Frankreichs bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung einen „zeitgemäßen Arbeitsplan“ zur verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit vorlegen, „konzentriert auf wenige realistische relevante Vorhaben“.
Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), pochte auf neue internationale Kooperationen. „Deutschland verfügt mit Großbritannien, Spanien und auch Schweden über starke europäische Partner, die ein großes Interesse an der Entwicklung der nächsten Generation von Luftkampfsystemen haben“, sagte Röwekamp der „Rheinischen Post“. „Jetzt sollten wir die Chance nutzen, neue und tragfähige Kooperationen auf Augenhöhe zu schmieden, die technologischen Fortschritt und industrielle Souveränität Europas stärken.“
Die Grünen kritisierten das Scheitern von FCAS als Versagen der Bundesregierung. Das Platzen des Projekts sei unverantwortlich in der aktuellen Sicherheitslage. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) verteidigte das Vorgehen. Es sei nötig gewesen, „den Stecker zu ziehen“, sagte Spahn. „Wenn man sieht, so geht es nicht, weil auch die Anforderungen und Erwartungen zu unterschiedlich sind, dann sagt man eben an der Stelle: keine Zusammenarbeit möglich.“AFP/DPA