Sparer profitieren, Wirtschaft verliert

von Redaktion

Berlin/Frankfurt – Zum ersten Mal seit fast drei Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt die Leitzinsen angehoben. Durch die Inflationsrate von zuletzt 3,2 Prozent in der Eurozone sahen sich die Notenbanker zum Eingreifen gezwungen.

Was hat die Europäische Zentralbank entschieden?

In der Euro-Zone steigt der wichtigste Zinssatz von 2,0 auf 2,25 Prozent. So viel bekommen Geschäftsbanken, wenn sie Geld bei der EZB parken. Gleichzeitig steigt auch der Zinssatz, zu dem sie sich Geld bei der Notenbank beschaffen können, von 2,15 auf 2,4 Prozent. Ein Jahr lang hatte die EZB die Zinsen nicht verändert, davor kräftig gesenkt.

Warum hebt die EZB die Zinsen an?

Die Zentralbank ist in der Euro-Zone für Preisstabilität zuständig. Die ist aus Sicht der Experten bei einer Inflationsrate von zwei Prozent erreicht. Allerdings kann die EZB die Preise nur indirekt beeinflussen. Über die Zinsen verteuert oder verbilligt sie Geld. Mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran verteuerte sich zunächst Energie, in der Folge dann auch andere Waren und Dienstleistungen. Für Mai schätzte das europäische Statistikamt Eurostat die Inflationsrate auf 3,2 Prozent, die Zentralbank rechnet aber mit weiter erhöhter Teuerung und greift deshalb ein.

Wie wirkt die Zinserhöhung?

Steigen die Zinsen, wird es, stark vereinfacht, teurer für Banken und Sparkassen, sich Geld bei der Zentralbank zu beschaffen. In der Folge müssen sie Kredite teurer vergeben oder weniger gewähren. Für die Institute wird es zudem interessanter, Geld bei der EZB zu parken, denn die Zentralbank verzinst etwas besser als vorher. Das alles zieht Geld aus dem Wirtschaftskreislauf. Für Unternehmen verteuern sich Kredite. Das kann sie bewegen, weniger in Anlagen oder Gebäude zu investieren. Auch Verbraucher denken möglicherweise zweimal nach, bevor sie einen Kredit aufnehmen, um sich etwas zu leisten. Investitionen und Konsum sinken, was die Teuerung dämpft, allerdings auch die Wirtschaft bremst.

Warum ist eine Zins- entscheidung so schwierig?

Die Notenbanker sind zwar der Preisstabilität verpflichtet, blicken aber auch auf die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone. Eine Zinssenkung kann das Wachstum anregen, eine Zinserhöhung kann es bremsen.

Was bedeutet die Entscheidung für Sparer?

Für Sparer sind Leitzinserhöhungen erst einmal gut. Banken werden in der Folge Sparbücher und Tagesgeld höher verzinsen. Auch wer jetzt einen neuen Festgeldvertrag abschließt, bekommt sehr wahrscheinlich etwas mehr Ertrag.

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